REZENSION

Vermessung der Interessenvertretung in Deutschland

Peter Lösche Verbände und Lobbyismus„Den Begriffen ‚Verbände‘ und ‚Lobbyismus‘ haftet nicht nur etwas Anrüchiges an, sondern Gefühle kochen bei ihrer Erwähnung hoch, tief in der Gesellschaft angelegte Vorurteile treten an die Oberfläche“, meint Peter Lösche in seinem Buch „Verbände und Lobbyismus in Deutschland“.

Dem inzwischen emeritierten Göttinger Politikwissenschaftler Peter Lösche ist ein Anliegen einen erhellenden und dennoch kritischen Blick in die angeblich so dunklen Hinterzimmer der Macht zu werfen. Deswegen hat er sich zum Ziel gesetzt, zwei entscheidende Fragen zu beantworten: Gefährden Verbände die Demokratie? Und: was sind die (neuen) Entwicklungen bei Verbänden und im Lobbyismus?

LOBBYING FÜR VERBÄNDE UND NGOs
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Gefährung für die Demokratie?
Der Markt der Interessenvermittlung ist riesig: Zahlreiche Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen (wozu auch PR-Agenturen gehören) und Konzerne sind mit eigenen Repräsentanzen in Berlin. Somit verwundert es nicht, dass täglich Hunderte von den mehr als 2.000 beim Bundestag registrierten Lobbyisten an die Türen der politischen Entscheider klopfen. Wird ihnen das Tor geöffnet, sprechen die Lobbyisten mit „ihren“ zuständigen Referenten in der Ministerialbürokratie. Dabei kommt es zu einem Tausch, von dem beide Seiten profitieren: „Der Lobbyist mag seine Interessen plausibel machen, sein Kontrahent erhält Einblicke in die gesellschaftliche oder ökonomische Realität, die durch ein Gesetz oder eine Verordnung geregelt werden soll.“ Demokratiegefährdend sei dies nicht: sogar wünschenswert — meint Lösche.

Neue Entwicklungen
Die neuen sozialen Bewegungen in den 70er Jahren waren die Vorboten für heutige, moderne Interessengruppen, die sich inzwischen über das Internet leichter und schneller organisieren. Nicht selten verfallen solche Gruppen dann in klassische Handlungs- und Organisationsmuster, um zu bestehen. Die zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen für Verbände werden im letzten Kapitel als „Megatrends“ abgehandelt.

Fazit: Lösche bleibt bei seinen wissenschaftlichen, überwiegend realitätsnahen Beschreibungen sachlich und gleichzeitig erfrischend kritisch. So verweist er einerseits auf eine notwendige professionelle Interessenvertretung und hinterfragt andererseits die Tätigkeit aktiver Politiker in Aufsichtsräten oder Beratungsunternehmen. Für Einsteiger ins Feld der politischen Verbandskommunikation ist dieses fundierte, gut geschriebene Überblickswerk unverzichtbar. Ausflüge in die Praxis (nach Berlin, Brüssel und in die USA) komplettieren das Bild. Langjährige Praktiker finden in dem Buch eine systematische Betrachtung ihres Arbeitsfeldes (inklusive Definitionen sowie Fakten und Zahlen). Lösches Analyse der kommenden Herausforderungen, die gerade für Führungskräfte interessant wäre, gerät dabei leider ein wenig kurz.

Bewertung:
Zielgruppe
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Theorie/Praxis
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Peter Lösche (2007): Verbände und Lobbyismus in Deutschland. Kohlhammer Verlag. Stuttgart.
ISBN 9783170181878
196 Seiten, 24,80 EUR
rezensiert von Christian H. Schuster

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