GASTBEITRAG

Auf Frauen kann man(n) bauen!

Die Baubranche zählt zweifelsohne noch zu den Männerdomänen – auch auf Verbandsebene. Viele Unternehmenslenker haben aber längst erkannt, welche Stärke ein Unternehmen durch Diversität erlangt, und engagieren sich deshalb auch dafür, im Verband die Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen.

Erfolgsfaktoren von Frauen in „Männerbranchen“

Verbände typischer „Männerbranchen“ sollten dazu zuerst einmal mit dem Vorurteil aufräumen, dass Frauen dort nur mit einem „Männerberuf“ einsteigen und erfolgreich sein können. Denn als Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau, dem führenden Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband mittelständischer und inhabergeführter Unternehmen der Bauwirtschaft in Berlin und Brandenburg, muss ich keine ausgebildete Maurerin oder Straßenbauerin sein. Unabdingbar sind zwar Interesse und Verständnis für die Themen der Branche; auf dem politischen bzw. institutionellen Parkett zählen aber vielmehr die genaue Kenntnis der politischen Landschaft sowie Expertise in regulatorischen Prozessen, um die Interessen der Verbandsmitglieder zielorientiert zu vertreten. Mit diesen Qualifikationen können Frauen in jeder Männerbranche punkten.

Zu einer modernen Führungskultur gehört auch, dass Männer und Frauen um die Unterschiede in der Kommunikation wissen. Schließlich sollen Frauen die männliche Kommunikation nicht adaptieren, aber dennoch damit umgehen können. Deshalb bieten wir unseren Mitarbeiterinnen darauf zugeschnittene Seminare an.

Für Führungspositionen im Verband sensibilisieren

Auch verbandsintern engagieren wir uns dafür, die Position von Frauen zu stärken. Bei der Fachgemeinschaft Bau haben wir eine Unternehmerinnenquote von acht Prozent. Faktisch leiten auch viele Frauen zusammen mit ihrem Mann ein Unternehmen. Dieses Potenzial muss ein moderner Verband heben. Wir gehen daher aktiv auf unsere weiblichen Mitglieder zu, um sie für ein Amt im Verband zu gewinnen.

Als erste Frau an der Bauverbandsspitze habe ich auch eine Vorbildfunktion, die ich sehr gern erfülle. Deshalb bringe ich mich in öffentlichen Veranstaltungen ein, die das Thema Frauen in Führungspositionen und Männerdomänen behandeln. Zudem möchte ich gerade junge Frauen, die sich noch in der Ausbildung befinden, ganz bewusst für Führungspositionen sensibilisieren. So habe ich z. B. im Februar im Rahmen einer Ringvorlesung der Technischen Universität Berlin über den Nachwuchs für den Bau gesprochen. Unter den Anwesenden waren viele angehende Ingenieurinnen. Ihnen stehen nach dem Studium zahlreiche Karrierewege als Bauleiterinnen, Geschäftsführerinnen eines Bauunternehmens oder in einem Verband offen. Wichtig ist natürlich in erster Linie, in sich hineinzuhorchen und ehrlich zu spiegeln, welcher Typ man ist. Wenn allerdings der Wunsch besteht, Verantwortung zu übernehmen, dann müssen wir Frauen in ihrem Selbstbewusstsein bestärken und dazu ermuntern, sich eine solche Aufgabe zuzutrauen.

Geschlechtergerechtigkeit bei der FG Bau selbstverständlich

Geschlechtergerechtigkeit ist für mich als Führungskraft eine Selbstverständlichkeit. Damit beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingt, haben wir bei der Fachgemeinschaft Bau für jeden Mitarbeitenden familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Dazu gehören insbesondere die Arbeitszeiten, die flexibel gestaltet werden können. Homeoffice, unterschiedliche Teilzeitmodelle und natürlich Elternzeit sind bei uns möglich. Dabei finde ich es erstrebenswert, dass auch junge Väter längere Zeiten als die obligatorischen zwei Monate mit ihren Kindern verbringen. Wichtig sind uns auch familiengerechte Besprechungs- und Gremiensitzungstermine, die wir daher in erster Linie auf den Vormittag legen. Geschlechtergerechtigkeit drückt sich natürlich auch im Gehalt aus. Die Fachgemeinschaft Bau achtet sehr darauf, dass bei gleichem Stellenzuschnitt und gleicher Qualifikation gleich vergütet wird.

Mit meiner Person stehe ich aber auch dafür, noch deutlich mehr Frauen für die Branche zu gewinnen. Wir setzen auf Frauen im kaufmännischen Bereich, bei den Bauleiterinnen und Inhaberinnen. In den nächsten Jahren stehen wir vor einer großen Nachfolgewelle in den Betrieben. Klassischerweise kommen oftmals Töchter in den Unternehmen für die Nachfolge infrage – warum nicht auch andere Bauingenieurinnen? Ich bin mir trotzdem bewusst, dass sich Geschlechtergerechtigkeit nicht überall erreichen lässt. Die körperlichen Belastungen auf dem Bau, beispielsweise für Maurer und Tiefbaufacharbeiter, lassen sich nicht wegreden, sie sind auch für unsere jungen Männer eine Herausforderung. Es gibt zwar einige wenige weibliche Auszubildende zum Beispiel zur Stuckateurin, Zimmerin und Fliesenlegerin: Sie bleiben aber die Ausnahme.

Moderne Kultur der Gleichstellung

Besonders inspiriert hat mich die Kampagne „Gleichstellung gewinnt“, initiiert von Dilek Kolat, Senatorin für Gesundheit, Pfl ege und Gleichstellung des Landes Berlin. Sie unterstreicht die Bedeutung eines Kulturwandels für mehr Gleichstellung. Unternehmen, die den Kulturwandel leben und die erforderlichen Perspektivenwechsel im eigenen unternehmerischen Handeln vollziehen, können so zusätzliche Mitarbeiterpotenziale erschließen und neue Impulse in ihrem Branchenverband setzen. Als grundlegender Orientierungspunkt der Kampagne dient die Charta „Gleichstellung gewinnt – für eine neue Unternehmenskultur in Berlin“, der wir uns am 24. September 2018 angeschlossen haben. Unser Präsident Klaus-Dieter Müller ist Botschafter der dreijährigen Kampagne.

von Dr. Manja Schreiner
Hauptgeschäftsführerin, Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e. V.

Bevor die Juristin im Januar 2018 Hauptgeschäftsführerin der FG Bau wurde, war sie in der Rechtsabteilung des Bundesverbands der Deutschen Industrie sowie als Leitern der Rechtsabteilung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks beschäftigt.

Kontakt

Wir beraten Sie gerne.

Wenn Sie ein Projekt haben, das Sie gern mit uns diskutieren möchten, nehmen Sie einfach Kontakt auf. Wir freuen uns über spannende Projekte.