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Eine Sache der Frau? Warum und wie Männer an Gleichstellung mitwirken sollten

Hand aufs Herz! Spätestens seit der #MeToo-Debatte sollte jedem Mann und jeder Frau klar sein: Es ist an der Zeit, die gängige Praxis zu überdenken und zu verändern. Dabei muss sich aber keines der Geschlechter in eine Opferrolle begeben: Damit Gleichstellung gelingt, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Sie ist kein Geschenk von Männern an Frauen, aber auch nichts, was sich Frauen allein erkämpfen müssen. Die Ratschläge in diesem Artikel, sollen männlichen Vertretern von Verbänden dabei helfen, sich zum Thema Gleichstellung zu positionieren und eine eigene aktive Rolle in der Debatte einzunehmen.

1. Das eigene Verhalten reflektieren

Veränderungen beginnen bei uns selbst. Aber um etwas zu ändern, müssen wir uns erst einmal überlegen, an welchen Stellen unser Verhalten, etwa im Umgang mit Kolleginnen, nicht zielführend ist. Ein kleiner Spruch oder Witz über die Rolle von Frauen im eigenen Verband mögen auf den ersten Blick nicht schlimm erscheinen, tragen aber zum Gesamtklima bei und legitimieren eine mögliche Benachteiligung. Anzüglichkeiten oder absichtliche Berührungen, ohne vorher nach dem Einverständnis der betreff enden Person (egal ob Frau oder Mann) gefragt zu haben, sind selbstverständlich tabu. Bevor die Frage aufkommt: Man darf sich durchaus Komplimente machen, kann sich dabei aber einmal fragen, ob diese immer dem äußeren Erscheinungsbild einer Person gewidmet sein müssen. Vielleicht wäre es ja eine Alternative, die Leistung und Fähigkeiten des Menschen in den Vordergrund zu stellen. Wenn man im Nachhinein bemerkt, dass das eigene Verhalten unangemessen war, ist es auch völlig legitim und auch notwendig, sich zu entschuldigen. Es gilt: Niemand ist perfekt, aber allein schon damit anzufangen, sich selbst zu hinterfragen, ist ein wichtiger Schritt.

2. Zuhören und Anliegen ernst nehmen

Es mag bei manchen Vorwürfen nicht einfach sein, als Mann nicht die Verteidigungsposition einzunehmen, aber genau das ist der Trick. Wenn Frauen gegenüber Männern off en ansprechen, dass sie sich benachteiligt fühlen, gehört Mut dazu, denn oft sind die Reaktionen gerade im berufl ichen Kontext alles andere als positiv. Wenn eine Frau sich entscheidet, über Diskriminierung zu sprechen, dann gilt: Zuhören. Außerdem sollte davon abgesehen werden, die geäußerten Bedenken zu relativieren oder gar herunterzuspielen. Fakt ist: Frauen sind im berufl ichen Kontext strukturell benachteiligt und in den meisten Fällen haben die Anliegen einer Frau bezüglich Gleichstellung ihre Berechtigung. Diese Tatsache gilt es schlichtweg zu akzeptieren und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten auszuarbeiten.

3. Unterstützung anbieten

Eine aktive Rolle im Einsatz für Gleichstellung können Männer beispielsweise einnehmen, indem sie ihre Unterstützung anbieten. Wenn es innerhalb des Verbands ein Netzwerk von Frauen gibt, lohnt es sich hinzuhören, wo dort vielleicht Unterstützung hilfreich wäre, etwa bei der Planung von Veranstaltungen. Wenn weibliche Mitglieder mit Anliegen an den Vorstand oder das Präsidium herantreten, die sich der Gleichstellung von Frauen im Verband widmen, sollten männliche Führungskräfte versuchen, sich so gut wie möglich zu beteiligen. Frauen sind auf diese Unterstützung nicht angewiesen, aber wenn es ein ehrliches Anliegen eines Mannes ist, wird sie sicherlich dankend angenommen.

4. Sich offen gegen Sexismus aussprechen

Sexismus beschreibt die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und gehört neben Rassismus zu den größten gesellschaftlichen Problemen unserer Zeit. Wer Sexismus innerhalb seines Verbandes Raum gibt oder ihn sogar mit befördert, wird niemals Gleichstellung erreichen. Frauen sind deutlich häufi ger von Sexismus betroff en als Männer, aber natürlich gibt es das Problem auch andersherum. Als Mann und am besten auch allgemein als Verband sollte man sich klar gegen Sexismus in jeder Form – ob als scheinbar harmlose Bemerkung oder dem Extrem sexueller Belästigung – positionieren. Dies kann man zum einen öffentlich in Sitzungen oder in der externen Kommunikation tun. Zum anderen sollten Männer aber vor allem auch nicht davor zurückschrecken, in engeren Kreisen auf sexistische Bemerkungen aufmerksam zu machen und diese nicht zu belächeln. Hier Flagge zu zeigen erfordert Mut, wirkt sich aber langfristig auf eine Verbesserung der Situation aus.

5. Frauen im eigenen Verband Raum geben

Frauen im Verband sind genauso kompetent, ehrgeizig und erfolgreich wie ihre männlichen Äquivalente. Das beweist allein schon die Menge an Frauen, die sich in dieser Ausgabe zu Wort melden. Wer diese Tatsache verstanden hat, tut sich auch leicht damit, Frauen im Verband den verdienten Raum zu geben. Die Fähigkeiten einer Kollegin dürfen nicht infrage gestellt werden, wenn dies nicht in genau dem gleichen Ausmaß auch bei einem Mann passieren würde. Ein Blick in den Verband sollte eine angemessene Repräsentation von Frauen in Führungspositionen zeigen. Ist dies nicht der Fall, gilt es zu überdenken, welche Stellschrauben gedreht werden müssen, um Gleichstellung näher zu kommen.

6. Im Austausch bleiben!

Ein Blick nach links und rechts lohnt sich, denn dass es in Sachen Geschlechtergerechtigkeit noch einiges aufzuholen gibt, haben inzwischen viele Verbände verstanden. Und auch, dass alle Geschlechter davon profitieren, denn unter Geschlechterrollen haben auch Männer zu leiden. Sich mit anderen Menschen zu vernetzen, die ein ähnliches Anliegen haben, ist daher absolut empfehlenswert. Andere Verbände haben vielleicht schon erste Aktionen zur Förderung der Gleichstellung gestartet – daraus können sich auch gemeinsame Veranstaltungsformate ergeben. Es ist wichtig, Augen und Ohren off en zu halten und eigene Errungenschaften zu kommunizieren, sodass das Thema weiterhin öff entlich präsent bleibt.

Fazit

Alles in allem darf sich also niemand zurücklehnen. Wie bei jeder gesellschaftlichen Frage braucht es Menschen, die das Problem proaktiv angehen. Auch Verbände sind hier in der Pfl icht, da sich hier Personen aus den unterschiedlichsten Branchen vernetzen und ein großer Teil der Gesellschaft durch diese Arbeit erreicht wird. Die Gleichstellung von Frauen und Männern würde für alle von uns einen großen Zuwachs an Freiheit und Gerechtigkeit bedeuten und unsere Leistungsfähigkeit als Gesellschaft steigern. Wie auch Wirtschaftsunternehmen sind Verbände aber nach wie vor männlich dominiert und deswegen gilt Folgendes: Ohne Sie, liebe Herren, schaff en wir es auch, aber mit Ihnen wäre es einfacher und auch schlichtweg schöner.

von Anna Lob
Mitarbeiterin bei ADVERB
lob@agentur-adverb.de

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