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Wie können Verbände Frauen für Hauptamt und Führungspositionen begeistern?

Geschlechtergerechtigkeit muss auch in Führungspositionen gelten, wo Frauen nach wie vor allgemein unterrepräsentiert sind. Dass das auch anders geht, zeigen Jasmin Arbabian-Vogel (VdU) und Kim Cheng (dvi) auf. Von besonderer Bedeutung sei es dabei, das Thema in den Fokus der Verbandsarbeit zu rücken und an den Strukturen innerhalb des Verbands anzusetzen, um Frauen für das Hauptamt und Führungspositionen zu gewinnen.

»Um den Beitrag von Frauen zur Wirtschaftskraft und ihre Leistung sichtbarer zu machen, vergibt der VdU den Next Generation Award.«

Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin, Verband deutscher Unternehmerinnen e. V.

Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken und die gleichberechtigte Teilhabe zu erreichen ist Satzungsziel des Verbandes deutscher Unternehmerinnen und Herzensanliegen all seiner Mitglieder, die sich mit hohem persönlichen Engagement für mehr Frauen in Führungspositionen, mehr Gründerinnen, mehr Frauen in MINT-Berufen und bessere Vereinbarkeit einsetzen. Um den Beitrag von Frauen zur Wirtschaftskraft unseres Landes in den Fokus zu rücken und ihre Leistung sichtbarer zu machen, vergibt der VdU den Next Generation Award für erfolgreiche Unternehmensnachfolgerinnen, der unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Altmaier anlässlich des 65. Gründungsjubiläums des VdU zum zweiten Mal verliehen wird.

»Innerhalb der Verbände müssen Strukturen geschaffen werden, die auch Frauen in Führungspositionen bringen.«

Kim Cheng, Geschäftsführerin, Deutsches Verpackungsinstitut e. V.

Verbände sind Interessenvereinigungen. Ihre Mitgliederzusammensetzung spiegelt die gesellschaftliche Realität wider. Es gibt zu wenig Frauen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Das ist eine Schieflage und da gibt es noch viel zu tun. Genauso wichtig wie die Frauenförderung innerhalb des Verbandes ist daher die Kommunikation nach außen.

Wenn Sie mich danach fragen, wie wir in den Verbänden mit Sexismus und Geschlechterungerechtigkeit umgehen, dann kann ich dazu nur sagen, dass uns die MeToo-Debatte auch hier erreicht hat. Sie beeinflusst, wie wir Frauen mit Sexismus heute umgehen. Deshalb bin auch ich den engagierten Frauen sehr dankbar dafür, dass sie die Debatte um Geschlechter-gerechtigkeit in unserer Gesellschaft so entscheidend prägen. Wie wir alle wissen, gibt es da noch viel zu tun.

Konkret für unser Thema ziehe ich ein strukturelles und besonnenes Vorgehen vor und bin gegen einen Aktionismus wie beispielsweise den in der aktuellen selbst gesetzten Quotenregelung der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU). Sie führt mit Verbänden und Organisationen nur noch dann Gespräche, wenn diese dabei auch von mindestens einer Frau vertreten werden. Treffen mit nur männlichen Vertretern soll es gar nicht mehr geben. Radikale Schritte wie diese wird es immer geben und sie sind wichtig, um die Debatte zu beleben. Gleichzeitig finde ich es genauso wichtig, nicht das zu trennen, was wir doch gerade zusammenbringen wollen.

Innerhalb der Verbände müssen Strukturen geschaff en werden, die auch Frauen in Führungspositionen bringen. Wie schaffen wir es, mehr Frauen für das Hauptamt zu begeistern? Hier geht es in den Verbänden um dieselben Themen und Strukturen wie in den gesellschaftlichen Bereichen,
die die Verbände vertreten, und in erster Linie geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die leider immer noch primär als Frauenthema gilt. Das nervt.

Nehmen wir das Beispiel Führungskraft in Teilzeit. In meinem Verein, dem dvi, hat der Vorstand eine Doppelspitze geschaffen und mich vor zwei Jahren in die Geschäftsführung berufen. Meine Kollegen haben fast alle mehrere Kinder und unsere flexiblen Arbeitszeiten, auch Homeoffice, ermöglichen es ihnen, auch für ihre Familie da zu sein. Als ich nach einem Jahr schwanger wurde, war das überhaupt kein Problem. Ich war ein halbes Jahr in Elternzeit und bin jetzt wieder zurück im Job. In Zeiten, in denen Arbeitsleistung nach Ergebnissen und nicht nach Stunden bemessen wird, sollte dieses Modell normal sein. Wir haben in den letzten Jahren genug über New Work gesprochen und sollten – gerade auch in den Verbänden – mit der eigentlichen Arbeit beginnen.

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