SERVICE

Stiftungsmarkt im Überblick

von Nicola Markwardt

22.743 Stiftungen – diese Zahl mag überraschen: Aktuell werden in Deutschland 22.743 rechtsfähige Stiftungen mit einem bekannten Kapital von insgesamt 68 Milliarden Euro gezählt. Seit 2001 hat sich die Zahl damit fast verdoppelt. Allein im letzten Jahr gab es 554 Neugründungen, besonders konzentriert in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das ergab eine Umfrage unter den Stiftungsaufsichtsbehörden im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Stiftungen im Dezember 2018.

In der öffentlichen Wahrnehmung scheint diese rasante Entwicklung jedoch bislang kaum angekommen zu sein. So können weniger als die Hälfte der Bevölkerung auf Anhieb eine Stiftung beim Namen nennen und 80 Prozent geben an, darüber hinaus auch noch nie persönlichen Kontakt mit einer Institution dieser Art gehabt zu haben. Neuere Erhebungen durch das Umfrageinstitut Kantar Emnid ergaben, dass rund die Hälfte der Befragten Stiftungen zwar als seriös, wirkungsvoll und kompetent wahrnimmt, während fast ein Drittel angab, dass Stiftungen nicht oder nicht sehr transparent seien. Jeder vierte Deutsche glaubt demnach, dass über 50 Prozent der Spenden für „Verwaltungskosten“ ausgegeben werden, mehr als ein Viertel sagt, dass Stiftungen hauptsächlich den Interessen der Stiftenden dienen, und immerhin ein Fünftel hält sie für elitär und abgehoben. Kein gutes Zeugnis. Dem wachsenden philanthropischen Interesse und dem gesteigerten bürgerschaftlichen Engagement steht, so scheint es, ein Mangel an angemessener und Zweifel ausräumender Außendarstellung gegenüber. Ein besseres Bild von Stiftungen zeigte sich immerhin bei denjenigen, die in ihrem Leben bereits persönlichen Kontakt zu einer Einrichtung dieser Art hatten.

95 Prozent der Stiftungen hierzulande dienen gemeinnützigen Zwecken; dabei wurden mehr als zwei Drittel aller Stiftungen nach dem Jahr 2000 gegründet. Das ist vor allem auf Reformen des Stiftungsrechts und das 2007 beschlossene Gesetz zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements zurückzuführen. Unterschieden wird zwischen Stiftungen privaten und öffentlichen Rechts sowie politischen Stiftungen. Zusätzlich wird zwischen operativen, also solchen, die sich auf die Umsetzung eigener Projekte konzentrieren, und fördernden Stiftungen unterschieden. Letztere vergeben ihre Mittel auf Anfrage an externe Einzelpersonen, Projekte oder Institutionen. Gemessen an Kapital und Gesamtausgaben zählen die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Alexander-von-Humboldt-, die Konrad-Adenauer- und die Dietmar Hopp Stiftung zu den größten auf dem deutschen Stiftungsmarkt. Unternehmensstiftungen, wie beispielsweise die Robert Bosch Stiftung, sind in Deutschland zwar nicht zahlenmäßig, dafür jedoch von ihrem Vermögen her bedeutend.

06.12.2019 / Ausgabe #84

Stiftungs­­kommunikation – Themen, Trends und Tipps

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Zur Gesamtausgabe

Das Kapital, welches den Einrichtungen zur Verfügung steht, ermöglicht allerlei gesellschaftliches und kulturelles Engagement: 318 Professuren wurden von Stiftungen eingerichtet – damit sind Stiftungen nach der Wirtschaft zweitwichtigster Ermöglicher von Stiftungsprofessuren. Rund 270 Museen sind in Stiftungshand. Das sind so viele Museen, wie es in Hamburg, Berlin und Bremen insgesamt gibt. Auch mindestens 150 Krankenhäuser werden von Stiftungen getragen; das ist jedes Krankenhaus hierzulande. Die Vielfalt der Projekte, die über den Einsatz von Stiftungen ermöglicht werden, kennt kaum Grenzen.

Die Mittel, die über jedes Vorhaben entscheiden – die Spenden –, erhalten Stiftungen und gemeinnützige Organisationen in Deutschland besonders von der älteren Bevölkerung. So sei der Anteil der Generation 60+ am Spendenaufkommen mit über der Hälfte des gesamten Aufkommens am größten, vermerkt der deutsche Spendenrat in seiner „Bilanz des Helfens 2018“. Die Altersgruppe der über 70-Jährigen hält hierbei den höchsten Anteil am Gesamtspendenvolumen. Den größten Anteil der ausgeschütteten Spenden insgesamt, welche im Jahr 2018 bei rund 5,3 Milliarden Euro lagen, erhalten mit 73,7 Prozent Stiftungen aus dem Bereich der humanitären Sofortund Nothilfe. Danach folgen Stiftungen, die sich für die Belange von Kindern einsetzen, sowie die Behindertenund Krankenhilfe. Dabei werden Projekte im Inland den internationalen Konkurrenten deutlich vorgezogen: 63 Prozent der Spenden flossen in deutsche Programme, während solche im Ausland mit nur 37 Prozent bedacht wurden. Das Gesamtvolumen stieg 2018 um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist damit der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung vor 13 Jahren, und das trotz sinkender Spenderzahlen. Grund dafür ist der steigende Spendendurchschnitt, nämlich von 35 auf 38 Euro, bei relativ stabiler Spendenhäufigkeit. Das ist der höchste jemals gemessene Durchschnittswert.

Im Vergleich: Vor zehn Jahren lag der Wert einer Durchschnittsspende noch bei 28 Euro. Besonders der Dezember und die damit verbundene Vorweihnachtszeit stellen für Stiftungen die wichtigste Zeit des Jahres dar. So ist es nicht ungewöhnlich, dass sich das Spendenvolumen in diesem Monat verdoppelt und alle Altersgruppen, besonders die über 40-Jährigen, in dieser Zeit zu mehr finanzieller Unterstützung bereit sind. Ein triftiger Grund, etwaige Kommunikationsmaßnahmen besonders hier zu bündeln.

Eindringliche Spendenaufrufe sind hierbei der drittgrößte Faktor für eine Spendenentscheidung. Aus einer aktuellen Studie des Spendenrates geht außerdem hervor, dass die Bedeutung des persönlich adressierten Briefs zwar insgesamt zurückgeht, die Maßnahme dennoch weiterhin einen der stärksten Anstöße für den Entschluss zur Spende darstellt. Die Hälfte der Spendenden überweisen regelmäßige Beträge für konkrete Projekte, die ihnen am Herzen liegen. Die Spendenmotive reichen dabei von von Verantwortungsbewusstsein und Mitleid über Dankbarkeit für erfahrene Unterstützung und Altruismus bis hin zu Steuervorteilen, wobei sich der Großteil auf die ersteren Beweggründe konzentriert.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #84 2019, S. 22.

Verbandsstratege

Mehr zum Thema

Kontakt

Wir rufen Sie gern zurück

Sie möchten Kontakt zu uns aufnehmen? Geben Sie hier einfach Ihre Telefonnummer und Ihren Namen ein und wir melden uns zeitnah bei Ihnen.