GASTBEITRAG

Homeoffice – Was ist zu regeln?

von Rechtsanwältin Dr. Patrizia Antoni

Arbeit im Homeoffice ist ohne Vorliegen einer entsprechenden vertraglichen Grundlage nur möglich, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber damit gleichermaßen einverstanden sind. Besteht dieses Einverständnis, tun beide Parteien gut daran, die Bedingungen der Arbeit im Homeoffice schriftlich festzuhalten. Hierbei ist insbesondere an Folgendes zu denken:

1. Ausstattung des Homeoffice

Nicht jeder Arbeitnehmer verfügt über ein Dienst-Handy und oder ein Dienst-Notebook. Für die Arbeit im Homeoffice ist im Regelfall beides unerlässlich. Zu regeln ist insbesondere,

  • welche Ausstattung erforderlich ist,
  • wer die Kosten für die Arbeits- und Verbrauchsmaterialien trägt und
  • ob eine private Nutzung von arbeitgebereigenen Materialien erlaubt ist.

(Hierbei ist zu beachten, dass neben den Kosten für die Ausstattung gegebenenfalls Kosten für Strom, Datenverbindungen und/oder Raumnutzung anfallen.)

19.03.2020 / Ausgabe #87

Verbände im Homeoffice – Zusammenarbeit neu organisieren

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Je nach Umfang der Tätigkeit ist die Nutzung des Raums in einer Mietwohnung als Homeoffice gegebenenfalls mit dem Vermieter abzustimmen. Vonseiten der Arbeitgeber ist – zumindest bei grenzüberschreitenden Sachverhalten aus steuerlichen Gründen – weiterhin darauf zu achten, dass die Begründung einer Betriebsstätte möglicherweise nicht gewollt ist. Zumindest in diesen Fällen sollte die Vertragsgestaltung von einem Steuerberater und oder Rechtsanwalt begleitet werden.

2. Umfang der Tätigkeit im Homeoffice

Wichtig ist Klarheit darüber, wann und in welchem Umfang die Arbeit im Homeoffice überhaupt in Betracht kommt und wie der Arbeitgeber sich diese vorstellt. Denn Homeoffice ermöglicht den Arbeitnehmern zwar, von zu Hause aus tätig zu sein, hierbei müssen sie ihre arbeitsvertraglichen Pflichten jedoch in gleichem Umfang erfüllen wie sonst auch.

Zu regeln ist daher insbesondere:

  • Umfang des Homeoffice an sich (gelegentlich, einmal wöchentlich oder grundsätzlich …),
  • zu welchen Zeiten der Arbeitnehmer erreichbar sein muss und
  • wie die tatsächlichen Arbeitszeiten und die Pausen erfasst werden, denn das Arbeitszeitgesetz gilt auch im Homeoffice,
  • unter welchen Voraussetzungen die Homeoffice-Tätigkeit widerrufen und/oder eingeschränkt bzw. erweitert werden kann.

3. Datenschutz und Arbeitsschutz im Homeoffice

Auch im Homeoffice sind sämtliche sonstigenrechtlichen Vorgaben an die Arbeitsplatzgestaltung einzuhalten. Hierbei istinsbesondere an die Einhaltung des Datenschutzes zu denken. Zum einen mussIT-rechtlich die Datensicherheit gewährleistet sein, zum anderen müssen dieDaten des Arbeitgebers auch vor den Blicken der Mitbewohner und Gäste desArbeitnehmers geschützt sein.

Insofern sollte insbesondere geregeltwerden,

  • wie die Unterlagen des Arbeitnehmers zu Hause wegzuschließen und/oder zu anonymisieren sind,
  • unter welchen Bedingungen dem Arbeitgeber ein Zutrittsrecht zwecks Kontrolle der Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften eingeräumt werden kann. Achtung: Hierbei kann eine Zustimmung der Mitbewohner des Arbeitnehmers erforderlich sein.

Ist all dies bedacht, steht der Arbeit im Homeoffice eigentlich nichts mehr im Wege.

von Dr. Patrizia Antoni
Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht, AHS Rechtsanwälte, Köln

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #86 2020, S. 10.

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