BUCHKRITIKEN

Von Führung und Chancen im »Neuen Normal«

von Viktoria Hrynek

Immer mehr Autorinnen und Autoren geben Ratschläge zum Umgang mit der Coronakrise und teilen ihre Erfahrungen. So auch Wirtschaftsprofessor Klaus Schweinsberg und Zukunftsforscher Matthias Horx. In dieser Ausgabe geben wir einen kleinen Einblick in die spannenden Ansätze der beiden Autoren.

STRESSTEST 2020 – Welches Management funktioniert. Und warum.

Klaus Schweinsberg

Worauf kommt es bei Führung in Zeiten der Ungewissheit an?

Mit dieser zentralen Frage befasst sich der Wirtschaftsprofessor Klaus Schweinsberg in seinem Buch „Stresstest 2020“ vor dem Hintergrund der Corona-Krise. In wenigen Wochen hat die Corona-Pandemie die Wirtschaft und Gesellschaft einer ultimativen Belastungsprobe unterzogen und in eine Zeit der Ungewissheit geführt. Laut Klaus Schweinsberg sollte Ungewissheit aber nicht als Abweichung und Bedrohung, sondern als grundlegender Bestandteil der (Wirtschafts-)Welt einkalkuliert werden. Die Vorstellung von Berechenbarkeit sollte hinterfragt und „Ungewissheitskompetenz“ eine Schlüsselressource für Handlungsfähigkeit werden. Vier Prinzipien machen für Schweinsberg erfolgreiche Führung aus: Handlungskraft, Haltung, Hingabe und Haftung. Deshalb müsse eine Führungskraft unter anderem ein klares Ziel verfolgen, das jeder kennt und versteht, also die Sinnfrage inhaltlich schlüssig beantworten können, um in ungewissen Zeiten zu wachsen. Im Fazit werden sieben Punkte für eine „Agenda 2020“ formuliert, die zentral für jede Führungskraft und das dazugehörige Team in Krisenzeiten sind. Diese Prinzipien können auf jegliche wirtschaftlichen Organisationen übertragen und angewandt werden. Wie Schweinsberg selbst schreibt, ist das Buch „nicht mehr und nicht weniger als ein Set von Anregungen für die Führungspraxis in Zeiten der Ungewissheit“.

Klare Leseempfehlung

„Stresstest 2020“ gibt interessante Anstöße, um Mittel und Instrumente des klassischen Managements, die zur Umwandlung von Ungewissheit in Gewissheit dienen, zu überdenken und stattdessen Ungewissheit als Normalzustand zu betrachten. Aktuell und spannend ist auch der Befund, dass erfolgreich geführte Unternehmen einen höheren Zweck („Purpose“) verfolgen und mit Unsicherheit umgehen können sollten. Denn auch in der
Gesellschaft hat durch Corona ein Umdenken stattgefunden; so streben vor allem junge Menschen nach sinnstiftenden Berufen mit Systemrelevanz. Das Buch ist insbesondere für Führungskräfte, aber auch für Unternehmen, Verbände und Wirtschaftsakteure interessant, da es durch die klare Strukturierung mit den vier Prinzipien für erfolgreiche Führung eine gute praxisnahe Orientierung bietet. Die Punkte für Führung plus Team sind relevante Praxishinweise, die von Verbänden an Mitgliedsunternehmen kommuniziert werden können. Insgesamt gibt das Buch spannende Anregungen zur Bewahrung der Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten und sensibilisiert dafür, eine dauerhafte Ungewissheit als Tatsache der (Wirtschafts-)Welt zu berücksichtigen.

Die Zukunft nach Corona – Wie eine Krise die Gesellschaft,
unser Denken und unser Handeln verändert

Matthias Horx

Mit Selbstvertrauen in eine bessere Zukunft

Geht nach der Corona-Krise alles weiter wie bisher oder erleben wir einen Wandel, durch den eine völlig neue Zukunft entsteht? Mit dieser zentralen Frage befasst sich der Zukunftsforscher Matthias Horx in seinem Buch „Die Zukunft nach Corona“ – und die sieht er äußerst positiv. Er bezeichnet die Corona-Krise zwar als „Tiefenkrise“, denn „was einmal dekonstruiert, in seine Einzelteile zerlegt wurde, wird nie mehr genau so zusammengefügt, wie es zuvor war“. In seinen Augen liegt darin allerdings eine große Chance. Der Forscher reflektiert über die alte und neue Realität, eine Vor- und Nach-Corona-Welt, ein „Altes Normal“ und ein „Neues Normal“. Zudem erklärt er, warum es keinen Weg zurück zur alten Normalität gibt und wie wir die Krise als Chance für Veränderungen nutzen können. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Stärkung unseres Selbstvertrauens: Wir als Individuen, aber auch als Gesellschaft können eine gute, bessere Zukunft zum „Neuen Normal“ machen. Um dies darzulegen, wendet der Gründer des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main und Wien anstelle der Pro-Gnose das Verfahren der Re-Gnose an: Er blickt aus der Zukunft zurück auf das Heute. Hierbei plädiert er für Zuversicht und den Glauben an positive Veränderungen. So etwa werden sich ihm zufolge die Wertvorstellungen und Konzepte gesellschaftlichen Zusammenlebens wandeln, da die Menschen durch die Distanzierung eine intensivere Art der Kommunikation und ein steigendes Bedürfnis nach Nähe erleben – und Altes infrage stellen.

Klare Leseempfehlung

In seinem Buch stellt Matthias Horx zahlreiche Fragen und Thesen zur Diskussion, die den Lesenden Denkanstöße für ein Leben in der Nach-Corona-Welt geben. Zudem skizziert er die Auswirkungen der Corona-Krise auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ein interessanter Aspekt ist dabei seine Bewertung, dass weder die Weltwirtschaft noch unser Leben zusammenbrechen werden, obwohl wir uns in einer beinahe apokalyptischen Situation befinden. Das Buch eignet sich für alle Menschen, die sich näher mit der Zukunft nach Corona auseinandersetzen möchten. Dem Forscher gelingt es, seine Argumente anschaulich und gleichzeitig aussagekräftig zu formulieren. Er stellt teils simple Ideen und Gedanken über die mögliche Zukunft in einen größeren Zusammenhang und fügt neue, verblüffende Aspekte hinzu. Dadurch wird sein Werk sowohl für Lesende mit viel Vorwissen als auch für Neulinge zu einer spannenden Lektüre. Und das Schöne: Mit seiner positiven Sprache vermittelt Matthias Horx seinem Publikum erfolgreich die Hoffnung auf eine positive Zukunft.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #91 2020, S. 26.

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