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Angriff der Troll-Armee

von Viktoria Hrynek und Carsten Bieler

Rechte Trolle, Shitstorms und ausufernde Kritik

„Don’t feed the troll“ – so lautet eine bekannte Internetweisheit. Dies ist eine Aufforderung, nicht auf die provokanten, hetzerischen und ausfälligen Kommentare von sogenannten Trollen in den sozialen Medien einzugehen. Doch in Anbetracht einer zunehmenden Polarisierung im Internet hat der fehlende Widerspruch einen erheblichen Nachteil: Durch das Nichtreagieren werden für äußere Beobachtende, die Netzgemeinschaft, Journalist/innen und Politiker/innen, aber auch für die Trolle und ihre Sympathisant/innen aus Minderheitenmeinungen scheinbare Mehrheitsmeinungen. Ein verzerrtes Gesamtbild einer Debatte entsteht. Doch mit guter Vorbereitung und klarer Haltung können Hass, Shitstorms und Trolling im Social Web eingedämmt und gebändigt werden. Keine Angst vor Trollen! Es lohnt sich, Widerstand zu leisten und Debatten online aktiv mitzugestalten.

Mittlerweile positionieren sich viele ehrenamtliche Vorstands- und Präsidiumsmitglieder zu politischen und gesellschaftlichen Themen in der Öffentlichkeit. Abgeschaut haben sie es sich aus Wirtschaftsunternehmen: Laut einer Studie des Vereins United Europe und der ESMT Berlin wollen Geschäftsführende dadurch einen positiven Beitrag leisten (78 Prozent) und die Unternehmenswerte zum Ausdruck bringen (72 Prozent). Grund dafür ist unter anderem, dass sich die Erwartungen an Unternehmen und ihre Führungsebene verändert haben. Auch wächst die Erwartungshaltung an Verbände, politisch Stellung zu beziehen. Als Vertreter ganzer Wirtschaftszweige sind Verbände stärker in der Verantwortung als einzelne Unternehmen, klar Stellung zu beziehen. Als Branchenvertreter können Verbände Shitstorms und Trollen energischer die Stirn bieten als Unternehmen.

Position beziehen und Trolle bändigen

Wenn Verbände sich dafür entscheiden, Position zu beziehen, sollten sie auf die möglichen negativen Konsequenzen wie Shitstorms oder Trolling gut vorbereitet sein. Gute Vorbereitung heißt für uns Social-Media-Profis: potenziell kritische Themen frühzeitig erkennen, Kommentare sortieren, Textbausteine abstimmen sowie gezielt Troll-Typen erkennen und Strategien entwickeln, mit den jeweiligen Troll-Typen umzugehen. Als Social-Media- Profi steht ADVERB zum Beispiel der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) dafür mit Rat und Tat zur Seite. Besonders zu Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise haben sich ausfällige Kritik, Hetze und rechte Trolle gegen die Position der INSM gehäuft. Da war schnelles Handeln in Absprache mit unserem Kunden das A und O.

09.12.2020 / Ausgabe #93

Bundestagswahl 2021 – Verbandskommunikation im Wahlkampf

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Selbstverständlich sind immer Kommentare dabei, die mit smartem Humor beantwortet oder ignoriert werden können.

Wenn einem so viel Hass entgegenschlägt, ist das Wichtigste, Ruhe zu bewahren. Der zweite Schritt ist, die Kommentare zu clustern: Kommentare, die klare Grenzen überschreiten, müssen direkt verborgen oder gelöscht werden. Klare Grenzen sind Rassismus, Menschenfeindlichkeit oder wiederkehrende Beleidigungen. Sachliche Kritik sollte stehen bleiben und kommentiert werden. Die restlichen Kommentare sind zu filtern nach Potenzial für eine gewinnbringende Diskussion.

Die Empfehlung bei Troll-Angriffen ist es, mit Fakten zu kontern, auf Studien zu verlinken, kritische Rückfragen zu stellen und die Widersprüchlichkeit in der Argumentation aufzuzeigen. Selbstverständlich sind immer Kommentare dabei, die mit smartem Humor beantwortet oder ignoriert werden können. Unser Profi-Tipp ist die frühzeitige Vorbereitung von Antwortvarianten als Textbausteine. Das hilft dabei, effizient zu arbeiten und rechte Trolle zu bändigen. Deshalb haben wir bei ADVERB die Ansammlung kritischer Posts geclustert und daraus vier Troll-Typen entwickelt. „Der Schreibfaule“ kommentiert Posts auf Social-Media-Plattformen ohne viele Worte. Seine Ansichten sind nicht durch Erklärungen oder Fakten untermauert. Mögliche Reaktionen sind Humor oder Rückfragen, damit doch eine gewinnbringende Debatte entsteht. „Der Wutbürger“ ist verärgert über das politische/ wirtschaftliche System und nutzt die Postings, um seinen Unmut kundzutun. Er selbst kennt sich jedoch kaum mit aktuellen Debatten aus, sondern drischt Phrasen und verbreitet Vorurteile. Dagegen helfen Argumente, Fakten und das Aufzeigen von Widersprüchen. „Der Politikverdrossene“ kennt sich in den Bereichen Politik und Wirtschaft etwas besser aus. Er schaltet sich in die Debatte des Threads ein und schreibt am Thema. Er hat jedoch den Glauben an eine sinnstiftende Politik verloren und ist frustriert. Das Geheimrezept ist hier, Argumente und Expertenmeinungen anzubieten sowie auf Studien zu verlinken. „Der Straftäter“ überschreitet die Grenzen der Legalität und nutzt die Online-Plattformen, um andere Menschen zu bedrohen. Die Konsequenz sollte sein, solche Kommentare zu löschen und User bei mehrfachen Verstößen zu blockieren. Auf dieser Grundlage konnten wir für unseren Kunden Textbausteine verfassen, die dann beim Community-Management in teilweise angepasster Form immer wieder verwendet werden können. Das spart Zeit und Nerven.

Gute Vorbereitung für Haltung und Widerstand gegen Trolle

Mit unseren Tipps können Verbände Hass eindämmen und die Gemüter auf ihren Online-Kanälen beruhigen. Es lohnt sich, für Demokratie einzustehen und sichtbar zu machen, dass Unruhestifter mit ihren aggressiven Stammtischparolen, Faktenverdrehungen und Vereinfachungen in der absoluten Minderheit sind. Das Internet ist eigentlich kein schlechter Ort, die Trolle und ihre Unterstützer sind nur oft lauter. Wir als demokratische Mehrheit und Sie als Verbände mit einem demokratischen Wertefundament können ihnen aber etwas entgegensetzen und sollten widersprechen. Haben Sie den Mut, Position zu beziehen!

Mit guter Vorbereitung und enger Zusammenarbeit zwischen Social-Media-Team und Fachexperten im Verband lassen sich Trolle bändigen.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #93 2020, S. 20.

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