INTERVIEWS

4 Fragen, 4 Antworten

In der Verbandswelt Fuß zu fassen ist schwer. Wir haben vier Frauen gefragt, die es trotzdem geschafft haben. Im Kurz-Interview sprechen Dr. Wiebke Ankersen (Allbright Stiftung), Verena Bentele (Sozialverband VDK), Ulrike Elsner (Verband der Ersatzkassen) und Anne Huning (Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands) über Herausforderungen, Unterschiede im Umgang und wie Frauen sich in der Verbandswelt behaupten.

Dr. Wiebke Ankersen
Geschäftsführerin
ALLBRIGHT STIFTUNG

Was ist die größte Herausforderung für Frauen in der Verbändewelt?
Im Bewusstsein der überwiegend männlichen deutschen Vorstände und Aufsichtsräte zu verankern, dass sie es sind, die in der vermeintlichen Frauenfrage um den Frauenanteil in Führungspositionen die entscheidende Rolle spielen und Verantwortung übernehmen müssen.

03.03.2021 / Ausgabe #95

Es ist Zeit für mehr Frauen in Verbänden

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Wie nehmen Sie den Umgang von Politiker/innen und Journalist/innen mit Ihnen wahr?
Als Expertin für Frauen in Führungspositionen, was in Deutschland als schwieriges Thema gilt, bin ich eine gefragte Gesprächspartnerin. Am immer respektvolleren Ton kann ich ablesen, wie das Thema endlich Fahrt aufnimmt.

Unterscheidet sich der Umgang mit Ihnen vom Umgang mit Ihren männlichen Kollegen?
Ich führe die Stiftung gemeinsam mit meinem Kollegen Christian Berg. Obwohl entscheidend ist, dass Männer die Debatte zum Thema mitgestalten, gibt es Veranstalter oder Interviewpartner, die lieber die Frau wollen. Das ist absurd.

Wie können sich Frauen, Ihrer Meinung nach, in der Verbandswelt behaupten?
So wie überall in der Gesellschaft: furchtlos so sein, wie sie sind, und nicht zögern, wenn ihnen Verantwortung angeboten wird. Je mehr Frauen gut sichtbar unsere Gesellschaft mitgestalten, desto mehr streben hinterher.

Verena Bentele
Präsidentin
SOZIALVERBAND VDK DEUTSCHLAND E. V.

Was ist die größte Herausforderung für Frauen in der Verbändewelt?
Über die Hälfte der VdK-Mitglieder sind Frauen. In den ehren- und hauptamtlichen Führungspositionen ist die überwiegende Zahl noch männlich. Ich sehe es als meine Aufgabe, Themen von und für Frauen stärker in den Mittelpunkt zu rücken und Frauen im Ehren- und Hauptamt zu fördern und zu motivieren.

Wie nehmen Sie den Umgang von Politiker/innen und Journalist/innen mit Ihnen wahr?
Je länger ich als Präsidentin arbeite, desto weniger werde ich auf mein Geschlecht oder auf mein Blindsein angesprochen. Was jedoch charakteristisch ist: In Situationen, in denen die Argumente ausgetauscht sind, spielen die oben genannten Faktoren wieder eine größere Rolle.

Unterscheidet sich der Umgang mit Ihnen vom Umgang mit Ihren männlichen Kollegen?
Spannend ist, dass sich Männer wesentlich häufiger auf die Beiträge anderer Männer beziehen als auf die von Frauen. Frauen erhalten auch weniger Lob für strategisch kluge Ansätze, dafür mehr Lob fürs Aussehen.

Wie können sich Frauen, Ihrer Meinung nach, in der Verbandswelt behaupten?
Wichtig ist vor allem eine gute Vernetzung und gegenseitige Unterstützung von Frauen. Wenn Männer in einer Sache den Frauen voraus sind, dann ist es im Bilden von Netzwerken und in unbedingter Unterstützung anderer Männer.

lrike Elsner
Vorstandsvorsitzende
VERBAND DER ERSATZKASSEN E. V.

Was ist die größte Herausforderung für Frauen in der Verbändewelt?
Ich bin seit 2012 Vorstandsvorsitzende – so wie meinen männlichen Kollegen geht’s mir jeden Tag darum, die relevanten Themen zu identifizieren.

Wie nehmen Sie den Umgang von Politiker/innen und Journalist/innen mit Ihnen wahr?
Professionell, und je mehr man sich kennt, auch vertrauensvoll. Viel hängt vom „persönlichen Draht“ ab, den man entwickelt. Spezifische Geschlechterbilder habe ich persönlich nicht erlebt.

Unterscheidet sich der Umgang mit Ihnen vom Umgang mit Ihren männlichen Kollegen?
Da hat sich in den letzten Jahren zum Glück einiges getan – Frauen sind überall dabei. Unterschiede erlebe ich nur bei den Small-Talk-Themen.

Wie können sich Frauen, Ihrer Meinung nach, in der Verbandswelt behaupten?
Mein Erfolgsrezept ist, beharrlich und authentisch zu bleiben. Der Kulturwandel in der Arbeitswelt muss aber weitergehen – Beruf und Familie müssen besser vereinbar sein und auch eine vorübergehende Teilzeit darf kein Karrierekiller werden.

Anne Huning
Direktorin Presse und Kommunikation
BUNDESVERBAND ÖFFENTLICHER BANKEN DEUTSCHLANDS

Was ist die größte Herausforderung für Frauen in der Verbändewelt?
Wie überall ist die Herausforderung, Strukturen zu verändern. Häufig ist es leichter, sich an bestehende Dynamiken anzupassen, als diese herauszufordern – doch nur so gelingt echter Wandel.

Wie nehmen Sie den Umgang von Politiker/innen und Journalist/innen mit Ihnen wahr?
Durchweg positiv. Der VÖB wird von einer Frau an der Spitze geführt. Da fällt also keiner vom Stuhl, weil die Kommunikation ebenfalls von einer Frau verantwortet wird.

Unterscheidet sich der Umgang mit Ihnen vom Umgang mit Ihren männlichen Kollegen?
Sowohl im Verband selbst als auch in der Zusammenarbeit mit externen Ansprechpartner/innen habe ich nur gute Erfahrungen gemacht – habe das in früheren Stationen aber auch schon anders erlebt.

Wie können sich Frauen, Ihrer Meinung nach, in der Verbandswelt behaupten?
So wie überall sonst auch: 1. Wir müssen uns mehr zutrauen. 2. Wir müssen über unsere Erfolge sprechen. Und 3. Wir müssen uns gegenseitig helfen und netzwerken.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #95 2021, S. 16.

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