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Sternchen oder Schrägstrich? So schreiben Sie gendersensibel

von Elisabeth Stumvoll und Nina Dwerlkotte

„Wir haben im Augenblick andere Probleme, die wir lösen müssen“, sagte Friedrich Merz, als es bei Anne Will um das Reizwort „Gendern“ ging. Mit anderen Problemen meint der CDU-Politiker wirtschaftliche Themen, in diesem Fall konkret das größte Freihandelsabkommen der Welt, das China nun abschließen möchte. Es wird deutlich: Gendern steht nicht bei jedem auf der Agenda ganz oben. Einen ähnlichen Schluss lässt auch eine Umfrage der WELT am Sonntag aus dem Mai 2020 zu. Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen lehnt gendergerechte Sprache ab. Dem steht aber trotzdem immerhin etwa ein Drittel der Bevölkerung gegenüber, das sich für das Gendern von Begriffen ausspricht.

Die Debatte um die gendergerechte Sprache ist also in der Gesellschaft angekommen – auch wenn sich die Mehrheit aktuell noch dagegen ausspricht. Denn Ziel von Kommunikation ist es nicht nur, Inhalte möglichst exakt wiederzugeben, sondern auch, die jeweiligen Zielgruppen
angemessen anzusprechen. Wenn sich immerhin ein Drittel der Bevölkerung für mehr Gendergerechtigkeit in der Sprache ausspricht, sollten sich auch Kommunikationsverantwortliche damit auseinandersetzen – alleine um diese Menschen kommunikativ zu erreichen. Dabei stehen Kommunikationsprofis zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich Pressemitteilungen, Newsletter oder Website-Beiträge gendergerecht machen lassen.

Gendersensibel schreiben – Von Sternchen bis Slash

Holprig, umständlich, ungewohnt – diesen Kritikpunkten sieht sich gendersensible Sprache häufig ausgesetzt. Dabei gibt es weder ein Regelwerk noch eine wirkliche Empfehlung, wie Texte gendergerecht aussehen. Verbandsprofis können daher zwischen mehreren Optionen auswählen. Der in den meisten Fällen einfachste Weg zur gendersensiblen Sprache ist die Doppelnennung von femininer und maskuliner Form – dieser ist gleichzeitig aber auch sehr lang. Die Formulierung „Leserinnen und Leser“ ist dabei beispielsweise sowohl eindeutig als auch höflich. Alternativ können beide Formen auch mit einem Schrägstrich getrennt werden.

03.03.2021 / Ausgabe #95

Es ist Zeit für mehr Frauen in Verbänden

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Ein einheitliches Sprachbild hilft Verbänden dabei, klar und konsistent zu kommunizieren.

Dadurch lässt sich die Formulierung leicht kürzen, was gerade bei sehr knappen Zeichenzahlen eine große Erleichterung ist. Bei längeren Texten bietet es sich an, bei der Reihenfolge von weiblicher und männlicher Form immer wieder zu variieren. Auch bei stereotypen Berufsbezeichnungen führt Variation zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. So bricht die Formulierung „Ärztinnen und Krankenpfleger“ im medizinischen Bereich beispielsweise gängige Vorurteile auf. Trans- und intergeschlechtliche Menschen umfasst diese Ansprache allerdings nicht. Wer diese Gruppen erreichen möchte, sollte daher auch andere Methoden zum Gendern im Blick behalten.

Ein etwas umständlicherer – aber in vielen Fällen eleganterer – Weg ist das Gendern mit geschlechtsneutralen Begriffen. Hier werden Begriffe gesucht, die die maskuline Form gezielt umgehen. Ein Weg ist die Umwandlung eines Verbs in ein Substantiv – aus „mitarbeiten“ wird so beispielsweise „die Mitarbeitenden“. Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung von passenden Oberbegriffen. Ein Verband erreicht in diesem Beispiel also nicht „die Politiker“, sondern allgemein „die Politik“. Außerdem gibt es Ausdrücke, die von Natur aus geschlechtsneutral sind: z. B. der Mensch, das Mitglied, die Person oder der Gast. Auf diese können Kommunikationsverantwortliche aus Gender-Sicht also ohne Bedenken zurückgreifen.

Die geschlechterneutrale Benennung bietet den Vorteil, dass auch trans- und intergeschlechtliche Menschen eingeschlossen sind. Da sie nicht auf zusätzliche Sonder- oder Satzzeichen zurückgreifen muss, kommt sie durch jede Rechtschreibprüfung. Auch blinde oder sehbehinderte Menschen begrüßen die Verwendung von geschlechterneutralen Begriffen. Denn
geschlechterneutrale Formulierungen lassen sich verständlich vorlesen und lassen auch beim Hören meist keine Fragezeichen zurück.

Neben der Doppelnennung und der Nutzung von geschlechterneutralen Ausdrücken haben sich in den letzten Jahrzehnten einige andere Schreibweisen entwickelt, mit denen gendersensibel formuliert wird. Da es allerdings kein Regelwerk für die gendersensible Sprache gibt, entsprechen diese nicht immer den aktuellen Rechtschreibregeln. Der Klassiker dieser Schreibweisen ist das sogenannte Binnen-I. Hier wird der Schrägstrich oder die Doppelnennung durch ein großes „I“ ersetzt – aus „Zuschauer/-in“ wird somit zum Beispiel „ZuschauerIn“. Das Binnen-I umfasst allerdings nicht trans- und intergeschlechtliche Personen. Als Alternative behaupten sich daher zunehmend der Gendergap, der Doppelpunkt und der Genderstern.

Die Logik ist bei allen drei Methoden die gleiche: die maskuline und feminine Form des Ausdrucks werden durch ein Sonderzeichen (Unterstrich, Doppelpunkt oder Stern) verknüpft. In einem konkreten Beispiel wird aus der Doppelnennung „Kolleginnen und Kollegen“ dann
„KollegInnen“, „Kolleg:innen“ oder „Kolleg*innen“. Gerade der Genderstern wird immer häufiger genutzt. Wie der Rat für deutsche Rechtschreibung herausfand, ist der Genderstern mit 68 Prozent die meistgenutzte Methode bei den verkürzten Formen. Für die tägliche Praxis ist allerdings vor allem entscheidend, dass immer eine einheitliche Schreibweise genutzt wird. Denn ein einheitliches Sprachbild hilft Verbänden dabei, klar und konsistent zu kommunizieren.

Klare Haltung ist gefragt

Unsere Sprache ist dynamisch und verändert sich stetig – das zeigt auch die Debatte um die gendersensible Sprache der letzten Jahre. Für Kommunikationsverantwortliche ist Sprache das elementare Werkzeug, um Positionen zu erklären, Informationen zu verbreiten oder Menschen
zu überzeugen. Deshalb sollten sie sprachliche Trends und Neuerungen kennen. Durch ihren Platz mitten in der Gesellschaft sind Verbände besonders gefordert, eine klare Haltung zur gendersensiblen Sprache zu entwickeln. Dabei sollten sie sich stets daran orientieren, wie die Menschen sprechen, die durch die Botschaften erreicht werden sollten. Denn: Wer seine Zielgruppe erreichen will, muss auch ihre Sprache sprechen. Deshalb sollten Verbandsprofis abwägen, ob auch für ihren Verband eine Übernahme der gendersensiblen Sprache sinnvoll ist. Wenn die Antwort darauf „Ja“ lautet, können Verbandsprofis die gendersensible Sprache im Alltag umsetzen – unterschiedliche Herangehensweisen gibt es dazu glücklicherweise zuhauf.

Sollten Sie Unterstützung bei der Förderung von Frauen im Ehrenamt oder Umsetzung gendergerechter Sprache benötigen, rufen Sie uns gerne jederzeit unter 030 / 30 87 85 88 – 0 an oder kontaktieren Sie uns hier.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #95 2021, S. 11.

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