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Unsichtbare Frauen und Working Women – Tipps zum Lesen und Reinhören

von Viktoria Hrynek

„The future is female“ – dennoch ist auch im 21. Jahrhundert die weltweite Gleichstellung von Männern und Frauen noch keine Realität. Deshalb setzen sich Frauenverbände wie der Deutsche Frauenrat seit Langem für gleiche Teilhabe, gleiche Bezahlung, Verbindlichkeit, Transparenz und Monitoring von Gleichstellungspolitik ein. Insbesondere die Forderung nach mehr Frauen und mehr Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft polarisieren den Diskurs zur Chancen(un)gleichheit. Dabei steigert Vielfalt die Effektivität von Arbeit und Engagement. So ergab eine Umfrage zum Managerinnen-Barometer, dass Interaktion, Diskussion und Entscheidungsfindung von Geschlechterdiversität in Aufsichtsräten deutlich profitieren. Die Debatte zu Geschlechtergerechtigkeit, Feminismus und Chancen(un)gleichheit ist groß und wird durch die verschiedensten Meinungen geprägt. Passend dazu haben wir Ihnen einige Bücher und Podcasts herausgesucht, mit denen Sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Buchempfehlungen

„Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez

Die Hälfte der Weltbevölkerung ist weiblich – trotzdem sind Frauen unsichtbar für unsere von Daten beherrschte Welt. Denn: Der Mann ist der Standard, die Frau das Abweichende. In ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ belegt Caroline Criado-Perez anhand von Fakten, dass Männer in Statistiken und Studien dominieren und männliche Daten den Großteil unseres Wissens ausmachen. Die dabei entstandene Wissenslücke – der Gender-Data-Gap – und unabsichtliche Verzerrung bei der Datenerhebung ignoriert Frauen systematisch. So zeigen unzählige Beispiele aus Politik, Technologie, Arbeitswelt, Stadtplanung und medizinischer Forschung, wie männerbezogene Daten die Grundlage für viele Entscheidungen bilden.

03.03.2021 / Ausgabe #95

Es ist Zeit für mehr Frauen in Verbänden

In jeder Ausgabe des Verbandsstrategen setzen wir mit Best-Practice-Beispielen, Expertenbeiträgen und Interviews einen anderen inhaltlichen Schwerpunkt. Sie interessieren sich für das Thema? Dann schauen Sie doch gleich bei den anderen Artikeln dieser Ausgabe vorbei.

Das Fehlen der weiblichen Perspektive ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern hat weitreichende Folgen für Frauen. Das beginnt bei der Wirksamkeit von Medikamenten und geht über die Durchschnittstemperatur in Büroräumen, die Grenzwerte für Chemikalien, die Maße von Sicherheitskleidung bis hin zu den Puppen bei Crashtests. Darüber hinaus mahnt Caroline Criado-Perez, dass immer mehr Entscheidungen – ob in der Arbeitswelt oder in der Medizin – von Algorithmen getroffen werden, die mit lückenhaften Daten programmiert werden. Wir bringen ihnen unsere Voreingenommenheit bei, wodurch auch die scheinbar universellen Algorithmen den Gender-Data-Gap nicht berücksichtigen. Die Autorin plädiert für einen Systemwandel und zeigt, dass Frauen häufig vergessen werden, auch wenn sie in der Forschung, in der Politik und in Unternehmen aktiv sind. Denn oft sitzen Männer noch an den entscheidenden Stellen für Entscheidungen und treffen diese nur aus ihrer Perspektive, weil sie es nicht besser wissen und weil sie auf eine verzerrte Datenlage zurückgreifen müssen.

„Unsichtbare Frauen“ ist ein Sammelwerk aus sorgfältig recherchierten Studien und Statistiken, die erstaunen, entsetzen und sprachlos machen. Die hohe Dichte an Informationen und Daten bietet zahlreiche sachliche Argumente für den Feminismus. Gleichzeitig kann die Informationsdichte die Leserin oder den Leser davon abhalten, das Buch in einem Rutsch durchzulesen. „Unsichtbare Frauen“ ist definitiv eine Empfehlung für jedermann bzw. jedefrau und eine Pflichtlektüre für eine geschlechtergerechtere Gesellschaft.

„Das weibliche Kapital“ von Linda Scott

Dass Frauen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft benachteiligt sind, ist uns allen bewusst. Die Wirtschaftsprofessorin Linda Scott nimmt sich in ihrem Buch „Das weibliche Kapital“ den Wirtschaftssektor vor. Jahrelang erforschte sie in Ländern auf der ganzen Welt, wie, wo und warum Frauen vom Kapital ferngehalten und aus Wirtschaftskreisläufen ausgeschlossen werden. Und das, obwohl die (Welt-)Wirtschaft davon profitieren würde, wenn weltweit mehr Frauen berufstätig wären. Den Zusammenhang zwischen der Geschlechtergleichberechtigung und der nationalen Wirtschaftsleistung untermauert Linda Scott mit Fakten und Zahlen. Das Hauptanliegen des Buchs ist, denen, die die Wirtschaftswelt regieren, bewusst zu machen, dass sich Wirtschaftswachstum und Wohlstand aus einer Quelle speisen: der ökonomischen Gleichstellung der Frau.

„Das weibliche Kapital“ ist ein Sachbuch, das eine neue Sichtweise auf die Welt bzw. auf das Wirtschaftssystem bietet, in dem Frauen systematisch benachteiligt werden. Linda Scott räumt mit gesellschaftlichen Vorurteilen wie dem Evolutionsmythos auf, erzählt Geschichten zu den Lebensumständen von Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern und erschließt gleichzeitig komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge. Das Buch ist Empfehlung für alle Wirtschaftsinteressierten und besonders diejenigen, die Chancengleichheit stärken und die ökonomische Rolle von Frauen fördern wollen.

Podcast-Empfehlungen

„Wir arbeiten dran“ – der Working Women Podcast

Im Podcast „Wir arbeiten dran“ sprechen die beiden Journalistinnen Kristina Appel und Julia Möhn mit Expert/innen, Coaches, Wissenschaftler/innen und Unternehmer/innen über Ideen und Forderungen, wie Frauen selbstbestimmt arbeiten können. Diskutiert werden die größten Herausforderungen von Working Women und Wünsche für ein zufriedenes Arbeitsleben. Der Podcast befasst sich mit spannenden Themen wie Equal Pay, Rückkehr in den Job für Mütter, Frauen in Führungspositionen, Mental Load, Zukunftsfähigkeit von Unternehmen durch Diversität oder die Corona-Krise als Krise der Frauen. Eine Empfehlung für alle Working Women, Chefinnen und Chefs, Unternehmer/innen sowie jedermann und jedefrau in der Arbeitswelt.

Das Politikteil – ZEIT ONLINE

In der Podcast-Folge 11 „Warum habt Ihr nicht lauter geschrien, #Coronaeltern?“ diskutieren Ileana Grabitz, Politikchefin von ZEIT ONLINE, und Marc Brost, Politikchef der ZEIT, über Geschlechterrollen und eine gerechtere Arbeitswelt. Zu Gast ist Janina Kugel, Ex-Personalchefin von Siemens, die sich sowohl mit dem privaten Dilemma zwischen Homeoffice und Homeschooling als auch mit den Arbeitsstrukturen und Karrieremustern in der Wirtschaft bestens auskennt.

Die Corona-Pandemie lässt bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sichtbar werden. Aufgrund von Arbeitsstrukturen und klassischen Rollenbildern lastet die Haus- und Familienarbeit zum Großteil auf den Schultern der Frauen. Wie verändert Corona die Rollenverteilung in den Familien? Drängt die Pandemie Frauen wirklich in längst überwunden geglaubte Rollenmuster zurück? Und was müssen Unternehmen und Politik jetzt tun? Hörenswert ist die Podcast-Episode für alle, die an einer kritischen Perspektive auf die möglichen Konsequenzen für Frauen und Familien durch die Corona-Pandemie interessiert sind.

Jetzt PDF downloaden: Diesen Artikel finden Sie im Verbandsstrategen Ausgabe #95 2021, S. 24.

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