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Das perfekte Pressebild

Bilder bringen Klicks: In sozialen Medien werden Posts mit Bildern weitaus häufiger geklickt als reine Textpostings. Aber auch Redakteure in klassischen Medien sind gezwungen, ihre Artikel anschaulich zu bebildern und den Kampf um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Was ist wichtig und welches Bild macht die Nachricht wertvoll? Was gilt es bei Presse- und viralen Fotos zu beachten? Erfahren Sie, was Sie beachten müssen, damit Ihre Fotos Eyecatcher werden.

 

 

Da der Wettbewerb um Aufmerksamkeit heutzutage nicht mehr nur auf der Grundlage der Produkte (Inhalte), sondern vor allem auf der Grundlage der Kommunikation (Darstellung) stattfindet, greifen viele Unternehmen und Verbände auf Bilder zurück. Auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit haben Bilder an Bedeutung gewonnen. Ob im Fernsehen, im Internet oder in Printmedien: Bilder sind allgegenwärtig. Die Vorteile liegen auf der Hand: Um ein Bild wahrzunehmen und zu verarbeiten, braucht das menschliche Gehirn etwa zwei Sekunden, zudem behält unser Gedächtnis die Informationen besser als sprachlich vermittelte. Daher ist ein weiterer, ergänzender Nachrichtenfaktor der Faktor Bild. Es stellt sich also die Frage: Wie werden Bilder geschaffen, die durch die Medien an die Öffentlichkeit weitergegeben werden?

Thematik
Zunächst muss abgewogen werden, ob der Einsatz von Bildern als Nachrichtenfaktor zum eigenen Verband und/oder der Branche passt. Überspitzt formuliert: Das Motiv eines Koalabären beispielsweise, der genüsslich ein Eukalyptusblatt verschlingt, passt nicht zu Verbänden der Immobilien- oder Metallbranche. Aber auch der australische Basketballverband sollte eine Verknüpfung überdenken – mag das Tier auch noch so sehr zum Fünften Kontinent passen. Die Tierschutzorganisation WWF wird das Motiv wahrscheinlich sehr gerne einsetzen.

Tipp: Die Thematik, mit der sich Ihr Verband befasst, sollte sich in den Bildern wiederfinden, und das auf möglichst ansprechende Art und Weise.

Schlüsselreize als Eyecatcher
Bund TTIP PressefotoUm zunächst die Aufmerksamkeit der Journalisten und in der Folge die der Öffentlichkeit für den Verband zu gewinnen, gilt es, auf sogenannte Schlüsselreize zu setzen. Sie zählen zu den effektivsten Instrumentalisierungsmöglichkeiten des Wahrnehmungsprozesses. Denn der Rezipient gliedert, ordnet und interpretiert die auf ihn einwirkenden optischen Reize nach bestimmten Schemata. Schlüsselreize zählen zu den angeborenen Auslösemechanismen. Richtig eingesetzt ziehen sie die Aufmerksamkeit des Rezipienten ganz automatisch auf sich. Zusätzlich zu den natürlich angeborenen Schlüsselreizen lässt sich auf erlernte Auslöserstimuli bauen. Dies sind Symbole und Zeichen, die sich während eines Lebens immer mehr einprägen. Bei erlernten Schlüsselreizen ist allerdings darauf zu achten, dass sie in Abhängigkeit von dem jeweiligen Kulturkreis entstehen. So wird ein traditionell zu Halloween geschnitzter Kürbis in Kulturen außerhalb der USA und Teilen Europas vermutlich lediglich für Verwirrung sorgen und nicht denselben Effekt nach sich ziehen wie in den genannten Kulturkreisen. Besonders effektiv sind Schlüsselreize dann, wenn sie einfach aufzunehmen (geringe Komplexität), auffallend und eindeutig sind. Daher können durch Bildbearbeitungsprogramme veränderte Bilder (künstliche Bilder) eine stärkere Wirkung haben als natürliche.

Tipp: Der Einsatz solcher Schlüsselreize sollte nicht übertrieben werden, da diese sich auch negativ auf die Erinnerungsfähigkeit auswirken können (Information Overload).

Verständlichkeit und Eindeutigkeit
Gerade wenn sich der Verband mit seiner Botschaft nicht an Experten wendet, sondern die breite Öffentlichkeit angesprochen werden soll, muss die Botschaft, die hinter dem Bild steckt, verständlich sein und eindeutig zeigen, welches Ziel sie verfolgt. Bei der Erstellung bzw. der Auswahl des Bildmaterials sollte davon ausgegangen werden, dass das Publikum nicht unbedingt relevante Vorkenntnisse besitzt, um komplizierte Zusammenhänge zu erschließen.

 

 

Bekanntes / Vertrautes
Bilder, die bereits einen festen Platz in der Berichterstattung zu bestehenden Themen haben, finden die Aufmerksamkeit leichter als Bilder, die zu bereits bestehenden Themen neu eingeführt werden. Typisch hierfür sind Sehenswürdigkeiten – wie der Reichstag oder das Brandenburger Tor. Aber auch Stadtsilhouetten sind geeignet.

Personalisierung
Rücken Personen auf Bildern in den Vordergrund, transportieren sie in erster Linie Emotionen. Ihre Gesichter und Körperhaltungen sagen etwas Konkretes aus. Oft sind Personen auch Gegenstand einer Geschichte: Entweder sie leisten etwas Außergewöhnliches oder verlieren alles. Eine Personalisierung der Berichterstattung ist auch oft eine Suche nach einem Verantwortlichen. Menschen sind Dreh- und Angelpunkt einer jeden Nachricht und somit von hohem Interesse.

Unbekanntes, Überraschendes und Kurioses
Alles, was neu und unbekannt oder einfach anders und unerwartet ist, erweckt das Interesse der Menschen und auch der Medien. So beispielsweise die Kritik der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Rentenpaket der Bundesregierung: Ein riesiges zugeschnürtes Paket mit der Aufschrift „Rentenpaket“ sorgt auf öffentlichen Plätzen für Aufsehen. Der Clou: der Stempel mit der Aufschrift „Annahme verweigert, unzureichend geprüft, zu teuer, ungerecht“.

 

 

Zugänglichkeit
Bilder, von denen wir wollen, dass sie einen Platz in der Öffentlichkeit finden, müssen frei zugänglich sein. Gerade in der heutigen Zeit, in der Social Media ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist, müssen Bilder die Möglichkeit haben, ein breites Publikum zu erreichen. Das ist jedoch nur möglich, wenn die Bilder gut auffindbar sind und dem jeweiligen Absender zugeordnet werden können (durch Begleittext und/oder ein Logo). Vor allem sollte es auch auf Smartphones abrufbar sein, da die Kommunikation somit schneller und mobiler wird (Stichwort: Responsive Design). Wer hier den Anschluss verliert, der verliert langfristig auch ein großes Publikum.

Tipp: Stellen Sie sicher, dass Ihr Bild in unterschiedlichen Auflösungen und Formaten zur Verfügung steht. Vor allem aber sollte Ihre Verbandswebsite von allen mobilen Endgeräten genauso gut erreichbar und bedienbar sein wie von allen „festen“ Workstations, damit Bilder (und Text) ihre volle Wirkung auf den Rezipienten ausüben können.

Emotionen
Sie fesseln den Rezipienten besonders. Menschen können sich aufgrund von Empathie in andere Menschen hineinversetzen, Mitleid, Schmerz und Trauer empfinden oder sich mit ihnen freuen. Empathie lässt sich noch besser im Bewegtbild (also im TV, Kino etc.) einsetzen, da sich Emotionen in bewegten Bildern leichter transportieren lassen als in Momentaufnahmen.

 

 

 

von Berta Leinweber

 

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– Jetzt pdf downloaden: Diesen Artikel finden Sie im IFK Verbandsstrategen (Ausgabe 04/2015, S. 5).


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