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Das Beispiel AfD – eine Historie

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge der Alternative für Deutschland im Jahr 2013? Gegründet als Reaktion auf die Maßnahmen zur Bekämpfung der Eurokrise, schien sie zunächst fast ausschließlich aus Volkswirten zu bestehen, die in deutschen Innenstädten Flyer verteilten und die Bürger über die ihrer Meinung nach katastrophale Fiskalpolitik belehrten.

Den Namen der neu gegründeten Partei kann man explizit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuordnen. Sie bezeichnete ihre eigene Entscheidung, dem besonders schwer von der Finanzkrise getroffenen Griechenland Finanzhilfen in Form des ersten Rettungspakets zuzusprechen (obwohl sie es Stunden vorher kategorisch ausgeschlossen hatte), als „alternativlos“. Dies geschah am 25. März 2010. Im Anschluss formierte sich die AfD deutschlandweit und konnte viele Anhänger für sich gewinnen, zunächst fast ausschließlich Mitglieder anderer Parteien aus dem bürgerlichen Lager, darunter Bernd Lucke und Alexander Gauland, die aus der CDU in die AfD überwechselten.

Unter dem ersten Parteivorsitzenden Bernd Lucke richtete sich die „Ein-Themen-Partei“ AfD ideologisch gemäßigt aus und verband marktwirtschaftlich liberale mit gesellschaftlich konservativen Positionen. Anfällig für Populismus war die AfD allerdings bereits in ihren Anfängen, da sie fast ausschließlich das Thema der Eurokrise bediente und es innerhalb des Personals heftige inhaltliche Differenzen und Streitigkeiten über die Ausrichtung der jungen Partei gab. Außerdem war mit dem beinahe zeitgleich erschienenen Buch Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ die populistische Zuwanderungsdebatte in Deutschland entfacht worden.

Nach den guten Wahlergebnissen bei der Europawahl 2014 und dem anschließenden Einzug in drei ostdeutsche Landtage war dem Rechtsruck der Partei nicht mehr viel entgegenzusetzen. Lucke verlor den internen Machtkampf gegen Frauke Petry und verließ gemeinsam mit anderen prominenten Gründungsmitgliedern wie beispielsweise Hans-Olaf Henkel die Partei. Auch aufgrund anderer Hardliner, insbesondere dem damaligen Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, wandelte die AfD ihr Profil und setzte nach dem Parteitag in Essen 2015 und dem Beginn der starken Zuwanderung aus dem Bürgerkriegsland Syrien verstärkt auf Migration als Kernthema und damit einhergehend auf eine nationalkonservative Rhetorik und Werte.

Programmatisch und inhaltlich reiht sich die AfD seitdem in die Gruppe der europäischen rechtsnationalen Parteien ein. Ihre Hauptmerkmale bestehen aus dem starken Anti-Establishment-Denken und dem Anspruch, den „wahren“ Volkswillen zu vertreten. Mit nationalvölkischer Rhetorik provoziert die AfD bewusst, um den öffentlichen Diskurs zum Thema Migration zu verrohen. Ihre Radikalisierung hat mit ihrem größer werdenden Erfolg und dem Einzug in den Bundestag im Jahr 2017 stetig zugenommen.

von Julia Stein, ADVERB
Mehr Informationen finden Sie hier:
Frank Decker: „Kurz und bündig: Die AfD“, Bundeszentrale für politische Bildung, Juli 2018, online verfügbar unter
www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland

 

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