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Leben wir wirklich in einer Lobby-Republik?

VerbandsmarketingHans-Martin Tillack schreibt unterhaltsam und zielstrebig über eine Lobby-Republik Deutschland. Hier setzen Wirtschaftsverbände und finanzstarke Unternehmen mit Unterstützung einschlägiger Public-Affairs-Agenturen ihre Interessen durch. Seine Kernbotschaft – die Politik ist käuflich – zieht sich durch alle 345 Seiten. Beweise bleibt er, bis auf bekannte Fälle wie zum Beispiel den Fall des Waffenhändlers Schreiber, schuldig. Lägen Beweise vor, wäre der Titel falsch gewählt. Dann müssten wir von einer Korruptions- und nicht von einer Lobby-Republik sprechen.

Wer lernen möchte, wie das geht mit dem Lobbyismus, ist bei Tillack falsch. Ein Tipp für angehende Lobbyisten findet sich dann aber doch: Baue dir langfristig ein Netzwerk auf. Das stimmt, gilt aber für fast jede Branche und auch für alle größeren Unternehmen und öffentlichen Institutionen. Ansonsten beschränkt sich Tillack auf die Aneinanderreihung von Beispielen, die auf seine Kernthese – wir leben in einer Lobby-Republik – einzahlen. Themenfelder wie die Energiewende oder der Waffenhandel werden angerissen, aber nicht in ihrer ganzen Tiefe und Breite ausgeleuchtet.

Von Nutzen – insbesondere für Berufseinsteiger – ist die breite Aufzählung von handelnden Personen und kleinen Anekdoten. Wie kaum eine andere Branche lebt der Berliner Politikmikrokosmos von Klatsch und Tratsch. Tillack bietet wenig Neues, aber eine gesunde Grundlage zu handelnden Personen und Institutionen im Wirtschaftslobbyismus. Leider bleiben die Protagonisten der anderen Sektoren: Gewerkschaften, Kirchen, Digitales usw. weitestgehend außen vor. Auch das Klatschthema Nummer eins „wer mit wem“ spart Tillack aus. Es gibt nur eine Altherrenanekdote über eine junge, attraktive Lobbyistin, die zu viel Zeit in Abgeordnetenbüros verbringt, und der Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe mit leicht bekleideten Kellnerinnen. Überhaupt, der Frauenanteil bei den Hauptfiguren ist ausbaufähig, außer Hildegard Müller ist da nichts. Dabei gibt es in Berlin sehr viele Lobbyistinnen, die ihren Job wirklich gut machen. Streckenweise liest sich das Buch wie eine Werbebroschüre für einige der großen Public-Affairs-Agenturen. Es fehlen Beispiele, wo deren Lobbying gründlich in die Hose gegangen ist. Ob das zur Kernthese gepasst hätte?

Die Frage, wie gutes Lobbying geht, beantwortet Tillack seinen Lesern nicht. Dabei wäre das ganz einfach gewesen: die klare Formulierung von Interessen, die Bündelung von Positionen in Verbänden, die Diskussion mit Politikern und Vertretern anderer Stakeholder auf öffentlichen Veranstaltungen und im Netz. Wer mehr über das Buch von Tillack erfahren möchte, schaut das Videointerview von Thilo Jung.

Übrigens: Wichtige Tipps für alle Bereiche der Verbandskommunikation haben wir bereits für Sie zusammengestellt:
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Hans-Martin Tillack (2015):
Die Lobby-Republik: Wer in Deutschland die Strippen zieht
ISBN-13: 978-3446247772
352 Seiten, 24,90 EUR

rezensiert von Matthias Bannas, Leiter Verbandskommunikation beim Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) und Initiator vom Berliner Pub Talk

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