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Gut geredet ist halb gewonnen

(c) istockphoto.com/WavebreakWas macht eine gelungene Rede aus? Was überzeugt und motiviert die Zuhörerschaft? Und was kann gegen Lampenfieber getan werden? Diesen und anderen Fragen widmet sich der folgende Artikel. Er gibt einen Überblick über rhetorische Kniffe und praktische Tipps, die zeigen, dass Schweigen nicht immer Gold ist.

Obwohl sich Kommunikationsverantwortliche gerne für ihre kommunikativen Fähigkeiten rühmen, gehört es häufig nicht zu ihren Lieblingsaufgaben, eine Rede zu halten. Natürlich gibt es auch die Art von Ausnahmen, die den Anschein erwecken, dass ihnen das Talent in die Wiege gelegt wurde und sie heute nichts besser können, als kritische Landesverbände auf Spur zu bringen und rhetorisch geschliffene Sprachbilder zu zeichnen. Die Mehrzahl der Verbandsvertreter gibt die Aufgabe vermutlich jedoch gerne ab. Dass ein überzeugender Auftritt allerdings nicht nur dem Verband, sondern auch dem Redner persönlichen Nutzen bringt, wird dabei häufig übersehen. Indes leider auch, dass Gegenteiliges ebenso gilt: Eine Rede, für die die Zuhörerschaft bestenfalls Fremdscham übrig hat, schadet häufig nicht nur dem eigenen, sondern auch dem Ansehen des Verbandes.

Vorbereitung: Das A und O einer perfekten Rede
Umso wichtiger ist es, die Rede und sich selbst bestens vorzubereiten, sodass es dem Redner gelingt, seine Zuhörer zu motivieren und positiv in Erinnerung zu bleiben. Rhetorik ist dabei kein angeborenes Talent, sondern etwas, das mit Übung, Hingabe und dem Befolgen einfacher Regeln erlernt werden kann.

Zunächst einmal sollte sich jede Person, die eine Rede schreiben muss, von dem Gedanken verabschieden, dass diese Aufgabe nach Feierabend schnell erledigt werden könne. Im Gegenteil: Selbst – oder gerade – Profis planen für jede Redeminute nicht selten mindestens eine halbe Stunde Vorbereitungszeit ein.

Wie so häufig in der Verbandskommunikation stehen während der Vorbereitung zunächst zwei Fragen im Vordergrund: „Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?“ und „Was soll gesagt werden?“. Diese Fragen können beispielsweise mithilfe einer Mind-Map beantwortet werden, in der die Ideen, Gedanken und Assoziationen geordnet und gegliedert werden. Hilfreich ist es auch, bereits Sprichwörter, Phrasen sowie Wortfamilien zum Thema zu notieren, sodass diese im Laufe des Redenschreibens nicht verloren gehen.

Eine gelungene Rede stellt nicht den Redner, sondern das Publikum in das Zentrum des Vortrages. Auf Ich-Formulierungen sollte daher gänzlich verzichtet werden. Ein geübter Redner wird außerdem niemals versuchen, sein Publikum zu überreden, sondern immer mit gewichtigen Argumenten überzeugen.

Unser Tipp: Fragen Sie sich während der Vorbereitung Ihres Vortrages, wie sich das Publikum nach Ihrer Rede fühlen soll. Diese Frage hilft Ihnen, sich das Publikum zu verbildlichen und die Kernbotschaft Ihres Vortrages zu fokussieren. Im besten Falle motivieren Sie die Zuhörerschaft und helfen ihr dabei, sich (ein wenig) besser zu fühlen.

(c) istockphot.com/WavebreakSieg nach fünf Sätzen: Die Fünf-Satz-Regel
Eine erfolgreiche Rede wird nicht nur überzeugend vorgetragen, sondern zunächst in fünf Sinnabschnitte gegliedert. Die Fünf-Satz-Regel, die schon im antiken Griechenland angewendet wurde, meint also nicht das Kürzen einer Rede auf fünf – im schlimmsten Fall verschachtelte – Sätze, sondern das Gliedern in fünf Gedankengänge. Zunächst gilt es, einen gelungenen Einstieg zu finden, der das Publikum packt und den Status quo beschreibt.

Erfahrene Redner verzichten daher auf langwierige Begrüßungs- und Danksagungszeremonien zu Beginn der Rede, da sie wissen, dass ein packender Einstieg das A und O einer Rede ist. Filmemacher haben dies ebenfalls erkannt: Kaum ein Blockbuster beginnt heutzutage ohne eine actionreiche Verfolgungsjagd.

Gleiches gilt auch für das Ende einer überzeugenden Rede. Dieses sollte eine konkrete Handlungsaufforderung an die Zuhörer beinhalten, die leicht verständlich und umsetzbar ist. Reden, die zum Schluss Mut und Zuversicht verbreiten, bleiben ebenfalls in guter Erinnerung. Von Zusammenfassungen des bereits Vorgetragenen sollte hingegen abgesehen werden. Gute Reden haben ein klares Ende: Schluss ist Schluss.

Unser Tipp: Erfahrene Redner bedanken oder entschuldigen sich niemals für einen gehaltenen Vortrag. Verzichten Sie daher auf Phrasen wie „Entschuldigen Sie, dass ich doch etwas überzogen habe“ oder „Ich danke Ihnen für Ihre Geduld“. Besser ist es, erst einmal abzuwarten und bescheiden zu bleiben.

Ordnung ist das halbe Leben
Der Hauptteil einer gelungenen Rede zeichnet sich ebenfalls durch eine klare Gliederung aus. Zunächst wird das zweitwichtigste Argument, dann das schwächste und kurz vor Ende der Rede das stärkste Argument präsentiert, jeweils aus Sicht der Zuhörerinnen und Zuhörer. Außerdem sollten Botschaften stets positiv formuliert sein. Gleichzeitig kann es jedoch vorkommen, dass der Anlass der Rede kaum Positives zu berichten erlaubt. In diesem Fall sollte dem Einstieg die schlechteste Nachricht folgen, sodass den positiveren Nachrichten mehr Raum gegeben werden kann. Für eine überzeugende Rede gilt, dass vor allem einfache, kurze und präzise Sätze den Zuhörern im Gedächtnis bleiben. Auf komplizierte und verschachtelte Satzkonstruktionen wird ebenso verzichtet wie auf überfordernde Fachausdrücke.

Hilfreich ist hingegen eine Sprache, die mit Bildern und Vergleichen die Fantasie der Zuhörer anregt. Sätze wie „Unsere neue Mitgliederzeitung ist eingeschlagen wie eine Bombe“ fesseln die Zuhörer. Gegensätzliche und kontrastreiche Wortspiele helfen ebenfalls, das Interesse des Publikums zu erhalten. Erfahrene Politiker weisen deshalb häufig darauf hin, dass es die „kleinen Leute sind, die Großes leisten“.

(c) istockphot.com/WavebreakEmotionen wecken und Zuhörer fesseln
Eine Rede, die die Bedürfnisse der Zuhörerschaft in den Mittelpunkt stellt, ist beinahe eine perfekte Rede. Erfahrene Redner sprechen deswegen nicht vom Hunger, sondern vom saftigen Braten, der die Teilnehmer erwartet. Das Beispiel zeigt: Bildsprache und Emotionen helfen dabei, das Publikum in den Bann zu ziehen. Wiederholungen tun dabei ihr Übriges und verleihen Ausführungen besonders viel Gewicht. Selbst die ausgefeilteste Rede wird kein Publikum fesseln, wenn der Vortragende nicht ein paar
rhetorische Grundregeln befolgt. Es gilt hierbei, wie bei fast allen Fähigkeiten, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Rhetorik kann gelernt werden. Übung macht dabei den Meister.

Ohne Rhetorik geht es nicht
Größtes Problem für viele Vortragende, die weniger geübt sind, ist zunächst das Lampenfieber. Zwar macht dieses auch vor Profis nicht halt, jedoch wissen diese damit besser umzugehen. Bereits einfache Atemübungen unmittelbar vor dem Vortrag helfen gegen diese Volkskrankheit. Wer schulterbreitstehend mehrmals tief Luft holt, senkt seinen Puls nachweislich.

Eine ausgezeichnete Vorbereitung ist jedoch das beste Mittel gegen Nervosität. Dazu zählt auch, eigene Stärken und Schwächen zu kennen. Vortragenden, die dazu neigen, ohne Pausen zu reden und bis zur Heiserkeit durchzuhetzen, kann es helfen, Pausenzeichen im Manuskript zu verwenden.

Unbewusste Körpersprache legt Neulingen häufig Stolpersteine in den Weg. Arme verschränken, sich an die Nase oder ans Ohr fassen sind ebenso Zeichen für Unsicherheit wie das Herumwippen auf den Beinen. Es ist also nicht möglich, den Körper nicht sprechen zu lassen – das wissen auch erfahrene Redner und werden sich deshalb niemals verstellen. Menschen mit gesundem Selbstvertrauen können sich sicher sein, dass die Arme und Hände zusammen mit dem Wort sprechen werden, dieses gar unterstützen. Komplizierte Regeln sollten daher nicht befolgt werden, da diese häufig zu affektiertem Verhalten führen. Für unsichere Redner empfiehlt es sich, die Handflächen stets geöffnet zu haben, schulterbreit zu stehen und langsam zu sprechen. Der Blickkontakt mit dem Publikum gibt diesem das Gefühl, Teil des Vortrages zu sein, und ist daher ebenfalls von besonderer Bedeutung.

Unsichere Redner sollten zudem Folgendes verinnerlichen: Ist die Rede gut vorbreitet und der Redner in das Thema eingearbeitet, gelingt es dem Vortragenden nicht nur, den Inhalt der Rede, sondern auch seine eigene Leistung authentisch zu präsentieren.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – ist das wirklich so?
Schon Cicero brachte es auf den Punkt: Reden lernt man durch Reden. Für jeden Verbandskommunikationsprofi gilt daher, keine Gelegenheit auszulassen, vor Publikum zu reden, um so seine eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Falsche Scheu kann durch Übung kinderleicht überwunden werden und hilft, von der eigenen Sache überzeugt zu sein und somit überzeugend aufzutreten. Es empfiehlt sich daher, nicht vor Anfragen zurückzuschrecken und jede Gelegenheit, vor Publikum zu sprechen, als Chance zu begreifen.

von Dominik Dicken und Christian H. Schuster, IFK Berlin

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– Jetzt pdf downloaden: Diesen Artikel finden Sie im IFK Verbandsstrategen (Ausgabe 02/2014, S. 4).


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