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Kein Anschluss unter diesem Account – Social-Media-Grundlagen für Verbände

Längst ist klar, dass Verbände nicht die Augen vor dem Siegeszug von Social Media verschließen können. Immer noch besteht jedoch eine erhebliche Unsicherheit im Umgang mit Facebook, Twitter und Co – und in der Folge eine ausgesprochene Zurückhaltung im Web 2.0.

Das Spektrum der Fragen, die sich Kommunikationsverantwortlichen vor dem Einstieg in Social Media aufdrängen, ist groß: Lohnt es sich, dort aktiv zu werden? Wie kann ich solche Netzwerke für die Anliegen meines Verbandes sinnvoll nutzen? Welche Plattform ist die Richtige? Mit welchen Inhalten kann ich punkten? Und wie kann ich den Anforderungen von sozialen Medien gerecht werden?

Antwort auf diese Fragen versprechen zahlreiche Social-Media-Handbücher, die jedoch überwiegend den Einsatz in Unternehmen im Blick haben. Nicht so das “Praxishandbuch Social Media in Verbänden”. Das Herausgeberwerk will Kommunikationsverantwortlichen in Verbänden die Grundlagen der Nutzung von Social Media für ihre Verbandsarbeit vermitteln und ihnen Hilfestellungen bei den (ersten) Gehversuchen auf diesen Plattformen geben.

Dazu stellt das Werk in seinem ersten Teil die wichtigsten „Werkzeuge“ im Web 2.0 und deren Kommunikationsprinzipien vor. Es geht auf die Rolle der Verbände in der Gesellschaft ein und umreißt, wie Social Media die Arbeit und Organisation von Verbänden beeinflussen und unterstützen können. Zudem wird eine systematische Vorgehensweise für den Einstieg in soziale Medien skizziert und anhand der IntraWorlds „Studie Verband 2.0“ ein Überblick über den Status quo der Social-Media-Nutzung von Verbänden gegeben.

SOCIAL MEDIA FÜR VERBÄNDE UND NGOs
Agentur, Social Media, Twitter, Facebook

Im zweiten Teil des Buches wird an den Beispielen der Verbände Die Familienunternehmen, Arbeitgeberverband Gesamtmetall und BITKOM dargestellt, wie unterschiedliche Verbandsziele mit Social-Media-Maßnahmen verfolgt werden können. Ferner berichten der Berufsverband der Deutschen Chirurgen, der Berufsverband der Yogalehrer, der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg und der Ehemaligenverein der Universität Passau von ihren Erfahrungen bei der Einrichtung verbandseigener Communities, ehe sich der letzte Beitrag rechtlicher Grundlagen von Verbandsnetzwerken annimmt.

Die Autoren sind dabei merklich von den positiven Möglichkeiten überzeugt, die sich für Verbände durch die Nutzung von Social Media ergeben. Sie legen Verbänden das Engagement in solchen Netzwerken als „essenziell, dringend zu empfehlen oder zumindest ratsam“ ans Herz. Wer sich nicht am Web 2.0 beteiligen möchte, „kann auch gleich seinen Telefonanschluss abbestellen, denn jeder Kontakt mit der Außenwelt wird offensichtlich eher als störend denn als gewinnbringend bewertet“, so die drastische Formulierung eines Autors.

Angesichts des großen Enthusiasmus der Autoren kommen leider die Schwierigkeiten zu kurz, die ein Einstieg in Social Media für viele Verbände birgt. Dabei würde das Buch gerade dadurch einen echten Mehrwert erhalten, dass es sich der kritischen Aspekte und Hürden annimmt, diese analysiert und Handlungsempfehlungen ausspricht sowie Lösungswege aufzeigt. Und auch eine vertiefende Aufwand-Nutzen-Analyse wäre wünschenswert.

Hinzu kommt, dass die Gesamtkonzeption des Buches nicht überzeugt. So werden im ersten Teil lediglich Einzelaufsätze aneinander gereiht, ohne erkennbare inhaltliche Struktur, dafür aber mit einigen unübersehbaren Redundanzen. Mit den vier Praxisberichten wird schließlich der Werbeblock eröffnet, geben sie doch alle die Erfahrungen bei der Erstellung geschlossener Communities mit der Software von IntraWorlds wieder, deren Geschäftsführer zu den Herausgebern des Buches gehört.

Insgesamt sind es lediglich einige wenige gute Beiträge und Passagen des Buches, die dem Leser im Gedächtnis bleiben. Für Verbandsvertreter, die beim Thema Social Media absolutes Neuland betreten, mag das Werk durchaus eine bereichernde Lektüre sein. Zudem kann es denjenigen Hilfestellung leisten, die eine verbandseigene Community planen. Für alle anderen gibt es zweifelsohne fachlich versiertere als auch tiefer gehende Fachbücher zum Thema Social Media – auch wenn diese überwiegend auf Unternehmen ausgelegt sind. Wer mit dem “Praxishandbuch Social Media in Verbänden” nicht so recht weiterkommt: bitte nicht sofort den Telefonanschluss kündigen!

Übrigens: Wichtige Tipps für alle Bereiche der Verbandskommunikation haben wir bereits für Sie zusammengestellt:
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Wolfgang Lietzau, Jens Bender, Tim Richter (Hrsg.) (2011): Praxishandbuch Social Media in Verbänden, Bonn.
ISBN 978-3-940060-04-4
240 Seiten, 69,00 EUR

von Miriam M. Köhler, Zentralverband des Deutschen Handwerks
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