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Verbandsmedien: Aussehen ist alles?!

(c)istockphoto.com/focusstockHaben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihr Lieblingsmagazin oder Ihre Lieblingszeitung für Sie so unverwechselbar macht? Sind es die Inhalte oder auch die Aufmachung? Häufig spielen diese beiden Faktoren zusammen und bedienen einander. Zumindest ist die Gestaltung kein unerheblicher Faktor für die Anmutung und die Wirkung des Mediums. Das Auge entscheidet, ob ein Magazin gelesen wird oder in den Mülleimer wandert. Genauso verhält es sich mit Ihrem eigenen Verbandsmagazin. Aus diesem Grund sind eine professionelle Gestaltung Ihres „Zentralorgans“ und die damit einhergehende Berücksichtigung von Farben, Formen und Schriftarten unerlässlich. Auf welche Punkte Sie beim Design Ihres Blattes achten sollten, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Mithilfe eines Verbandsmagazins erreichen Kommunikationsverantwortliche die gesamte Bandbreite an Mitgliedern. Aber auch Externe, wie mögliche Neumitglieder, politische Entscheider, Journalisten und Fachpublikum, lesen die Zeitschrift. Sie ist – ähnlich wie die Website – ein Aushängeschild und Imageträger des Verbandes und trägt mit dem Erscheinungsbild die Identität, den Anspruch und die Philosophie, sprich die Corporate Identity (CI), des Verbandes nach außen.

Mit professionellen Programmen punkten
Die erste grundlegende Entscheidung, die bei der Erstellung einer Mitgliederzeitschrift getroffen werden muss, ist, mit welchem der zahlreichen Programme gearbeitet werden soll.

Für eine optimale Magazingestaltung eignet sich die zwar kostenpflichtige, aber umfangreiche und professionelle Adobe Creative Suite. In der Basis-Version enthält diese drei Programme (Adobe InDesign:Layoutprogramm mit zahlreichen Funktionen und Optionen für den professionellen Satz Ihres Verbandsmagazins. Adobe Photoshop: Bildbearbeitungsprogramm, das umfangreiche Bildretusche und -korrektur erlaubt. Adobe Illustrator: Illustrationsprogramm zur Erstellung von Gestaltungselementen wie Grafiken, Logos und Diagrammen.)

Die Anschaffung der Creative Suite lohnt sich, denn in Kombination erlauben die genannten Programme die professionelle Erstellung eines individuellen, gestalterisch ausgereiften Verbandsmagazins.

Neben den komplexen Programmen von Adobe kann auch auf einfachere Alternativen zurückgegriffen werden. So bietet beispielsweise Microsoft Publisher die Möglichkeit, einfache
Layouts zu kreieren. Das Programm ist für MS-Office-Nutzer intuitiv zu bedienen, bietet allerdings auch weit weniger Möglichkeiten als das von Adobe angebotene InDesign.

Eine Alternative zum Adobe-Programm Photoshop stellt das Programm Gimp dar, das kostenfrei aus dem Internet heruntergeladen werden kann und für einfache Bildbearbeitung geeignet ist. Doch auch hier gilt: Gimp erreicht nicht die Komplexität und Qualität von Adobe Photoshop.

Unser Tipp: Wählen Sie mit Bedacht! Es gibt heutzutage eine große Anzahl an kostenpflichtigen und kostenlosen Gestaltungsprogrammen. Die Auswahl des Tools sollte sich deshalb an Ihrem individuellen Anspruch bezüglich Design, Komplexität und Umfang Ihrer Verbandszeitschrift orientieren. Informieren Sie sich deshalb im Internet oder im Fachhandel, welche Programme für Ihre Kenntnisse, Wünsche und Vorstellungen am besten geeignet sind.

Gestalten ja — aber wie?
Nachdem das richtige Programm gefunden und installiert wurde, geht es im nächsten Schritt daran, die Mitgliederzeitschrift zu gestalten. Typografie, Kontraste, Bilder und Farben sollen dem Medium eine unverwechselbare und professionelle Anmutung geben, die dem Verband mit seinen Zielen und Aufgaben gerecht wird.

Schriften setzen Zeichen
Die Wahl der Schrift ist das Fundament und aufgrund der Vielzahl möglicher Schriften auch gleichzeitig nicht leicht. Professionelle Mediengestalter wissen, dass Schriftarten auf unterschiedliche Arten wirken, und berücksichtigen dies bei der Auswahl.

Unser Tipp: Seien Sie zurückhaltend! Sie sollten nicht mehr als zwei bis maximal drei verschiedene Schriften für die Gestaltung Ihrer Mitgliederzeitschrift verwenden. Zu viele Schriften wirken unruhig, unausgeglichen, unstrukturiert und können den Leser verwirren. Für die Kombination von Schriften gilt der gleiche Grundsatz wie bei allen Gestaltungselementen: Je größer der Kontrast, desto größer die Wirkung auf den Leser.

Machen Sie den Selbsttest!
Eine weitere Regel für den Schriftsatz lautet, dass der Text gut und mühelos lesbar sein muss. So sind sehr lange Zeilen für den Leser auf die Dauer anstrengender als ein Text, der in Spalten gesetzt wird. Drucken Sie einfach mal einen Fließtext aus und lassen Sie das Schriftbild auf sich wirken: Ist es unruhig? Flirrt die Seite? Ist der Text gut lesbar?

Machen Sie die Feinarbeit zum Schluss! Beim späteren Setzen der Texte ist außerdem darauf zu achten, dass am Anfang oder am Ende einer Spalte/Seite keine Zeile allein steht, sprich: Vermeiden Sie „Hurenkinder“ und „Schusterjungen“.

(c)istockphoto.com/sbayramKontraste erzeugen Spannung
Spannung erregt die Aufmerksamkeit des Lesers. Dies ist nicht nur bei dem Inhalt der Texte so, sondern gilt auch bei der Gestaltung. Beispiele für grundlegende und einfach zu erzeugende Kontraste sind Hell-Dunkel-, Form-, Farb- und Größenunterschiede. Sie fallen dem Leser meist nur unbewusst auf, aber sie lenken den Blick und regen zum Betrachten und Lesen an. Doch gilt auch hier: Weniger ist oft mehr. Es sollte darauf geachtet werden, nicht zu viele Kontraste auf einmal zu verwenden, um eine Seite nicht zu überladen und somit unattraktiv für den Rezipienten zu machen.

Bilder wecken Emotionen
Bilder sind ein perfektes Mittel, um die Gestaltung eines Magazins aufzulockern, und bieten zudem die Möglichkeit, textliche Inhalte zu visualisieren und dem Leser so ein Thema näherzubringen. Bei der Bildplatzierung gibt es sechs Grundregeln zu beachten, die sich leicht umsetzen lassen:

Bilder sollten nicht willkürlich gesetzt werden; der Layouter sollte sich bewusst sein, welche Aussage vom jeweiligen Bildinhalt/Bildsymbol ausgeht. Dabei darf die Seite auch nicht „kippen“ – z. B. indem alle Bilder und grafischen Elemente in einer Ecke platziert werden, statt sie auf der Seite zu verteilen.

Text und Bild sollten sich aufeinander beziehen, sowohl inhaltlich als auch in ihrer Platzierung. Hier kann es sinnvoll sein, das Bild zu beschneiden oder zu verkleinern.

Primärfarben eines Bildes sollten sich im Idealfall im Layout des Artikels wiederfinden bzw. mit den übrigen Farben der Seite harmonieren. Dadurch wirkt die Seite insgesamt ausgeglichener.

Gesichter sollten in die Seite „hineinsehen“, d. h. mit Blickrichtung zur Mitte des Magazins. Sie wecken Emotionen und schaffen einen „emotionalen Rahmen“ für den Text. Dies gilt für das perfekt erscheinende Heile-Welt-Kinderfoto aus einer Bilddatenbank ebenso wie für das dunkle, unscharfe Bild des Hauptgeschäftsführers bei der Scheckübergabe.

Bewegungen auf Bildern sollten dem Layout angepasst werden.

Unser Tipp: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit! Die Bildauswahl ist ein wichtiger Bestandteil jedes guten Layouts. Bilder erzeugen Abwechslung und lockern Ihr Magazin auf.

(c)istockphoto.com/cobocoz1Farben wirken unbewusst
– Cyan: kühl, sachlich, frisch, sportlich, jung, winterlich, sehnsüchtig
– Magenta: modern, musikalisch, kühl, emotional, mädchenhaft
– Gelb: neidisch, sonnig, wärmend, hell, sauber, modern, sauer, giftig, liberal
– Schwarz: edel, traurig, mächtig, konservativ, geheimnisvoll, Tod
– Rot: feurig, erotisch, dynamisch, warnend, aufreizend, gefährlich, links
– Grün: natürlich, frisch, gesund, hoffnungsvoll, beruhigend, sportlich, ökologisch
– Blau: seriös, klar, kalt, modern, genau, sachlich, sehnsüchtig, sportlich
– Weiß: sauber, rein, jungfräulich, wahrhaftig, kalt, sachlich, hell, himmlisch

Weniger ist mehr
Bei der Gestaltung eines Printmediums gibt es viele weitere Regeln und Normen, die beachtenswert sind. Die wichtigste lautet: „Weniger ist oft mehr.“ Das bedeutet: Ein einfach gehaltenes Layout mit klarer Linie und Struktur kommt meist besser beim Publikum an als überladene, vollgestopfte Seiten, die den Leser verwirren und überfordern.

Eine simple Zeitschrift zu kreieren ist keine Zauberei. Es genügen schon einfachste Gestaltungselemente und ein ausgeprägter Sinn für Gestaltung, um ein Printprodukt für die Leserschaft interessant zu machen. Viele Grafik- und PR-Agenturen bieten nicht nur Unterstützung bei der Erstellung eines Grundlayouts, das Verbände dann selbst umsetzen können, sondern unterstützen auch mit Inhouse-Seminaren oder der Umsetzung ganzer Ausgaben.

Unser Tipp: Werden Sie Autodidakt! Um mehr über Typografie, Bildgestaltung, Kontraste und Farbenlehre zu erfahren, empfiehlt sich das Buch „Kompendium der Mediengestaltung“ (Böhringer et al., Spinger, 79,95 EUR). Hier werden sämtliche Bereiche, die für die professionelle Gestaltung eines Printproduktes wichtig sind, angesprochen und anhand von Beispielen erklärt.

Lernen Sie von anderen!
Gehen Sie in einen gut sortierten Zeitschriftenladen und lassen Sie sich von anderen Medien inspirieren. Und schauen Sie, wie ausgebildete Mediengestalter mit Herausforderungen wie viel/wenig Text, kein Bildmaterial, Seitenaufteilungen usw. umgehen.

von Florian Saule & Christian H. Schuster, IFK Berlin

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– Jetzt pdf downloaden: Diesen Artikel finden Sie im IFK Verbandsstrategen (Ausgabe 11/2012, S. 4).


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