REZENSION

Management von Ehrenamtlichen? – Ja, unbedingt!

Mittlerweile ist jeder dritte Bundesbürger ehrenamtlich bzw. freiwillig tätig. Auch Verbände und NGOs profitieren von dieser Entwicklung. Umso wichtiger ist es, Ehrenamtliche gut in die Organisationsstrukturen einzubinden. Was es dabei zu beachten gilt, erklären Carola und Oliver Reifenhäuser in ihrem „Praxishandbuch Freiwilligenmanagement“. Denn auch freiwillige Arbeit braucht Struktur – kurz: muss gemanagt werden.
Gerade in Verbänden und NGOs, die Ehrenamtliche stärker in ihre Arbeit einbinden möchten, taucht oft die Frage auf, welche Voraussetzungen dafür überhaupt innerhalb der Organisation gegeben sein müssen.
Dabei geht es zum Beispiel um Grundsätze und Grundhaltungen: Welches Selbstverständnis herrscht in Bezug auf Freiwilligenarbeit und Ehrenamtlichkeit in der Organisation und was steht in der Satzung? Aber auch Informationsmanagement und die Einbindung der hauptamtlichen MitarbeiterInnen und der ehrenamtlichen Mitglieder müssen geklärt werden. Festlegungen darüber, in welcher Form die MitarbeiterInnen, Mitglieder und freiwillig Engagierten über die Initiative bzw. das Projekt informiert werden und wie stark sie eingebunden werden sollen, müssen getroffen werden. Auf diese und weitere kritische Fragen geben die Autoren in den anschließenden Kapiteln des Buchs umfangreiche Antworten. Unter anderem werden verschiedene Workshops zur Einbindung von hauptamtlichen Mitarbeitern methodisch dargestellt. Aber auch unterschiedliche Möglichkeiten der Finanzierung einer Koordinationsstelle für Ehrenamtliche werden genannt. Denn als Praktiker ist den Autoren eines klar: Eine universale Lösung des Freiwilligenmanagements für alle Verbände gibt es nicht.
Ist der organisatorische Grundstein erst einmal gelegt, geht es „ans Eingemachte“: Der Ratgeber offeriert wertvolle Tipps für den direkten Kontakt mit freiwillig Engagierten. In den folgenden sieben Kapiteln dreht sich alles um die Koordination von ehrenamtlicher Arbeit. Dieser zweite Teil ist für Verbände sicherlich besonders interessant. Denn hier sind Antworten und Lösungsvorschläge für Fragen wie „Wie finde ich die richtigen Ehrenamtlichen?“ oder auch „Wie binde ich neue Ehrenamtliche in alte Teams ein?“ zu finden. Dabei geben die Autoren erneut sehr detaillierte Informationen. Kein Aspekt wird ausgelassen.
Verbände, die sehr auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen sind, werden Situationen wie diese sicherlich kennen: Es kommt zu Meinungsverschiedenheiten zwischen hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Mitgliedern. Wie ist mit Konflikten umzugehen? Die Sachlage ist häufig äußerst knifflig, denn Ehrenamtliche sind zu ihrer Arbeit nicht verpflichtet, da keine arbeitsrechtliche Grundlage besteht. Dennoch möchte der Verband die freiwilligen Helfer nicht verlieren. Ein Phasenmodell der Eskalation hilft dabei, die Konfliktsituation richtig einzuschätzen. Droht beispielsweise der Gesichtsverlust eines der Beteiligten – es geht also um öffentliche Angriffe und Unterstellungen –, hilft oftmals eine Mediation, um eine Einigung herbeizuführen. Was dabei beachtet werden sollte und wer überhaupt eine solche Mediation durchführen kann, wird direkt im Anschluss an das Kapitel 16: Konflikte lösen erläutert.
Fazit:
Insgesamt ist das Buch inhaltlich sehr strukturiert. Das nützt vor allem Kommunikationsprofis, die nur Teile des umfangreichen Felds des Freiwilligenmanagements nacharbeiten möchten. Hilfreich sind auch die Infokästen mit Praxistipps, die die Autoren aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen zusammengestellt haben. Gleichzeitig unterstützen Schaubilder und Infografiken den Text, um Wirkungszusammenhänge und Abläufe noch besser zu verstehen. Bemerkenswert ist auch der 20-seitige Anhang, der zahlreiche Mustervorlagen beinhaltet. So werden beispielsweise erste Aufschläge für Erstkontaktbögen, Engagementvereinbarungen und -nachweise gleich mitgeliefert.
Reifenhäuser haben mit ihrem „Praxishandbuch Freiwilligenmanagement“ einen Ratgeber geschrieben, der besonders bei Verbänden, die verstärkt Ehrenamtliche einbinden wollen, auf dem Nachttisch sollte. Darüber hinaus bietet das Buch zahlreiche Details, die auch ehrenamtserfahrenen Organisationen sicherlich neu sein könnten. Generell ist allerdings zu beachten, dass es sich lediglich um Lösungsvorschläge handelt. Gerade weil das Buch so detailliert und ausführlich ist, sollte nicht der Eindruck entstehen, dass Eigeninitiative und eigene Kreativität bei der Arbeit mit Ehrenamtlichen nicht mehr nötig wären.
Schade ist, dass – im Gegensatz zu den sonstigen Details – gerade dem wichtigen Themenfeld Kommunikation mit Ehrenamtlichen keine sehr große Aufmerksamkeit geschenkt wird – hier besteht Optimierungsbedarf. Bei Interesse an diesem Thema sollte weitere Literatur zurate gezogen werden. Insgesamt wird deutlich: Freiwilligenmanagement ist wichtig, oft aufwendig und sollte nicht unterschätzt werden. Doch mit diesem Praxisratgeber kann beim Freiwilligenmanagement nichts mehr schiefgehen.
Übrigens: Wichtige Tipps für alle Bereiche der Verbandskommunikation haben wir bereits für Sie zusammengestellt:
Alle Ausgaben des Verbandsstrategen
Bewertung:
Reifenhäuser, Carola & Reifenhäuser, Oliver (2013): Praxishandbuch Freiwilligenmanagement, Weinheim und Basel.
ISBN: 978-3-7799-2094-6
215 Seiten, 19,95 EUR
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rezensiert von Johanna Specker, IFK Berlin

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